Der abgewählte Regierungschef Yves Leterme führt übergangsweise die Geschäfte weiter
Risikoaufschläge, die Investoren dafür verlangen, dass sie zehnjährige belgische Staatsanleihen stattvergleichbarer Bundespapiere halten, kletterten auf 89 Basispunkte. Zuvor hatten sich die flämischen Nationalisten am Montag aus Verhandlungen um eine Regierungsbildung zurückzogen. Anfang September, als Gespräche das letzte Mal geplatzt waren, lagen die Spreads noch bei 64 Basispunkten. Damit sind die Aufschläge noch weit entfernt von jenen, die etwa für irische Staatsanleihen verlangt werden. Sie steigen aber rasch.
Ähnlich ist die Entwicklung der Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) auf belgische Bonds. Sie schlossen am Montag laut dem Datendienstleister Markit bei 130 Basispunkten, womit es 130.000 Euro im Jahr kostet, Staatsanleihen des Königreichs im Volumen von 10 Mio. Euro gegen einen Ausfall zu versichern. "Die Instabilität hat dazu beigetragen, dass sich die Spreads für Belgien in den vergangenen Monaten deutlich ausgeweitet haben", sagte Gavan Nolan, Vice President für Credit Research bei Markit.
Die flämischen Nationalisten waren als stärkste Kraft aus den Wahlen Mitte Juni hervorgegangen. Die Partei will Belgien mittelfristig auflösen und eine unabhängige Republik Flandern gründen. Um regieren zu können, braucht sie aber Koalitionspartner. Die Verhandlungen ziehen sich seit Monaten hin, weil sich flämische und französischsprachige Parteien nicht über die Abgabe weiterer Kompetenzen an die Regionen einigen können.