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Merken   Drucken   05.10.2010, 16:31 Schriftgröße: AAA

Schwierige Regierungsbildung: Belgien taucht auf dem Radar der Spekulanten auf

Probleme in der Euro-Zone verortete der Finanzmarkt bislang in der "Peripherie". Doch nun rückt ein Land im Zentrum des Kontinents in den Fokus: Im zerrissenen Belgien kümmert sich seit Monaten niemand um die Staatsfinanzen. von Christine Mai  Frankfurt
Die anhaltende Unsicherheit um die politische Führung Belgiens macht Anleger nervös. An den Märkten wächst die Sorge, dass das Land die Sanierung der Staatsfinanzen nicht angehen kann, solange es keine neue Regierung hat.
Der abgewählte Regierungschef Yves Leterme führt übergangsweise ...   Der abgewählte Regierungschef Yves Leterme führt übergangsweise die Geschäfte weiter
Risikoaufschläge, die Investoren dafür verlangen, dass sie zehnjährige belgische Staatsanleihen stattvergleichbarer Bundespapiere halten, kletterten auf 89 Basispunkte. Zuvor hatten sich die flämischen Nationalisten am Montag aus Verhandlungen um eine Regierungsbildung zurückzogen. Anfang September, als Gespräche das letzte Mal geplatzt waren, lagen die Spreads noch bei 64 Basispunkten. Damit sind die Aufschläge noch weit entfernt von jenen, die etwa für irische Staatsanleihen verlangt werden. Sie steigen aber rasch.
Ähnlich ist die Entwicklung der Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) auf belgische Bonds. Sie schlossen am Montag laut dem Datendienstleister Markit bei 130 Basispunkten, womit es 130.000 Euro im Jahr kostet, Staatsanleihen des Königreichs im Volumen von 10 Mio. Euro gegen einen Ausfall zu versichern. "Die Instabilität hat dazu beigetragen, dass sich die Spreads für Belgien in den vergangenen Monaten deutlich ausgeweitet haben", sagte Gavan Nolan, Vice President für Credit Research bei Markit.
Die flämischen Nationalisten waren als stärkste Kraft aus den Wahlen Mitte Juni hervorgegangen. Die Partei will Belgien mittelfristig auflösen und eine unabhängige Republik Flandern gründen. Um regieren zu können, braucht sie aber Koalitionspartner. Die Verhandlungen ziehen sich seit Monaten hin, weil sich flämische und französischsprachige Parteien nicht über die Abgabe weiterer Kompetenzen an die Regionen einigen können.
Schon der abgewählte Christdemokrat Yves Leterme hatte 2007 neun Monate gebraucht, um eine Koalition zu schmieden. Leterme führt derzeit noch die Regierungsgeschäfte, hat aber keine eigene Mehrheit mehr. Solange wird nichts gegen die anschwellende Staatsverschuldung getan. Im vergangenen Jahr lag sie bei 97 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - in der Euro-Zone sind nur Griechenland und Italien gemessen an der Wirtschaftsleistung stärker verschuldet. Die Ratingagentur Moody's erwartet, dass Belgiens Staatsdefizit 2010 auf 101,2 Prozent ansteigt, 2011 auf 104 Prozent.
Hintergrund sind unter anderem milliardenschwere Rettungsaktionen für Finanzunternehmen wie Fortis und KBC. Für Belgien spricht aus Sicht von Experten unter anderem, dass der private Sektor kaum verschuldet ist. Zudem weist das exportorientierte Land ein nur sehr geringes Leistungsbilanzdefizit auf. Auch die Konjunktur erholt sich nach der Krise 2009: Moody's rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung 2010 um 0,6 Prozent zulegt, für 2011 erwartet die Ratingagentur ein Plus von 1,5 Prozent des BIP.

Teil 2: Kapitalmarkt verlang hohe Aufschläge

  • FTD.de, 05.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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