08.02.2010, 11:55
Spannungen in der Währungsunion: Kapitalmarkt schreibt Euro ab
Die Angst vor Staatspleiten hält die Märkte in Schach. Die Euro-Skepsis ist so groß wie noch nie: Die Investoren wetten auf einen Kursverfall der Gemeinschaftswährung. Das Treffen der G7-Finanzminister bestärkt die Händler in ihrer Meinung.
von Tobias Bayer Frankfurt
Die Skepsis der Investoren gegenüber dem Euro ist so groß wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Laut der US-Terminbörsenaufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC) belaufen sich die Netto-Verkaufspositionen auf 43.700 Kontrakte. In der Woche zuvor waren es noch 39.500 gewesen. "Die Zahlen belegen, dass das Euro-Projekt seine größte Bewährungsprobe überhaupt zu bestehen hat", sagte Adarsh Sinha, Währungsstratege von Barclays Capital.
Die Dollar-Angst, die das Jahr 2009 dominierte, ist einer Euro-Angst gewichen. Hohe Staatsdefizite Griechenlands, Portugals und Spaniens führen zu rasant steigenden Risikoaufschlägen bei den Anleihen und Kreditderivaten dieser Länder. Das wiederum wertet der Devisenmarkt als gefährlich für die gesamte Euro-Zone, was den Wechselkurs belastet. Seit Mitte November wertete der Euro zehn Prozent gegenüber dem Dollar ab. Am Montag notierte er bei 1,3706 $.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine G7-Kollegen verweigern Griechenland die Hilfe
Bislang ist es Notenbanken und Regierungen nicht gelungen, den Kapitalmarkt hinsichtlich einer Staatspleite Griechenlands zu beruhigen. Aus Sicht der Investoren verlief das Treffen der G7-Finanzminister über das Wochenende in Kanada enttäuschend. Es gab kein Communiqué. Außerdem wurde Griechenland keine Hilfe durch die EU oder den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Aussicht gestellt. "Der Markt hatte da wohl mehr erwartet. Es gab keine Details zu einem möglichen Griechenland-Rettungsplan. Zudem hielten sich die Beteiligten mit Kommentaren zurück, die den Euro hätten stützen können", sagte David Forrester, Währungsstratege bei Barclays Capital.
Kursinformationen und Charts
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Die Euro-Schwäche könnte sich daher fortsetzen. "Die Unsicherheit über die Zahlungsfähigkeit Griechenlands und anderer Peripherieländer der Währungsunion hält an. Daher ist vorerst keine nennenswerte Erholung des Euro zu erwarten", schrieben die Währungsstrategen der Commerzbank in einer Studie.
Mit Blick auf die hohen Netto-Verkaufspositionen halten es die Experten aber für möglich, dass der Euro wieder sprunghaft zulegt: "Sollte die gegenwärtige Flucht in sichere Häfen sich wieder umkehren, besteht für den Euro erhebliches Erholungspotenzial. (...) Wer erst jüngst seine EUR-Short-Position aufgemacht hat, wird nach ein, zwei Tagen Seitwärtsentwicklung beim Euro-Dollar noch nicht wieder aufgeben. Andererseits sind solche 'frischen' Positionen recht anfällig gegenüber kleinen Korrekturen", so die Commerzbank-Experten.
Teil 2: Aufwertung des Dollar hängt an der Fed
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FTD.de, 08.02.2010
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