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Merken   Drucken   18.01.2011, 13:35 Schriftgröße: AAA

Spekulation um Zinsschritt: Inflation stürzt Bank of England ins Dilemma

3,7 Prozent Teuerung: Dieser unerwartet hohe Wert treibt die Spekulation, dass die Phase extremer Niedrigzinsen in Großbritannien zu Ende geht – vielleicht schon im April. Das Pfund schießt in die Höhe.
Die Inflation in der Euro-Zone ...

 

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Die Inflation in Großbritannien hat im Dezember ein Achtmonatshoch von 3,7 Prozent erreicht. Der Anstieg ist damit deutlich höher als erwartet. Im November hatte die Teuerung noch bei 3,3 Prozent zum Vorjahr gelegen. Im Monatsvergleich legten die Preise im Dezember um ein Prozent zu. Das ist das größte solche Plus seit Beginn der Aufzeichungen 1996. Haupttreiber waren höhere Preise für Lebensmittel und Energie.
Das Dilemma der Bank of England (BoE) verstärkt sich damit. Eigentlich spricht die starke Teuerung für eine Anhebung der Zinsen, die auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent liegen. Die BoE hält aber bislang still, weil sie die britische Wirtchaft stützen will, die den drastischen Sparkurs der Regierung verkraften muss. Die von Premierminister David Cameron geführte Regierung geht mit erheblichen Kürzungen gegen ein Haushaltsdefizit von rund elf Prozent der Wirtschaftsleistung im vergangenen Haushaltsjahr an.
Das dürfte sich auswirken: Die Handelskammern des Landes erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres nur noch um 0,2 bis 0,3 Prozent wachsen wird. Für das vierte Quartal werden 0,4 Prozent erwartet, in den drei Monaten bis Ende September hatte das Plus noch bei 0,7 Prozent gelegen.
Die neuen Inflationszahlen wecken dennoch Hoffnungen, dass die BoE sich doch früher bewegt als erwartet. Das britische Pfund kletterte zum Dollar zeitweise um rund ein Prozent auf 1,6060 Dollar. Damit erreichte es den höchsten Stand seit acht Wochen. Später lag es 0,6 Prozent im Plus bei 1,5989 Dollar.
"Eine Inflation von mehr als vier Prozent im ersten Quartal scheint fast unvermeidlich", sagte Davir Tinsley, Ökonom bei der National Australia Bank, der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Das erhöht den Druck auf die Notenbank. "Es ist zunehmend wahrscheinlich, dass die erste Zinserhhöhung im Mai kommt, und April ist nicht unmöglich." Treiben könnte die Teuerung unter anderem die inzwischen in Kraft getretene Anhebung der Mehrwertsteuer.
Das Pfund könnte damit Auftrieb bekommen. Im vergangenen Jahr hatte die Währung noch mehr als sieben Prozent verloren. Bislang schätzten Experten die Aussichten eher als mau ein. "Bis die wirtschaftliche Entwicklung Großbritanniens dem Markt Vertrauen gibt, dass es auf dem richtigen Weg ist, sind wir nach wie vor nicht überzeugt davon, dass das Pfund als selbstverständliche Alternative zu seinem östlichen Nachbarn angesehen wird", schrieb Neil Mellor, Devisenstratege bei der Bank of New York Mellon, kürzlich in einer Notiz mit Blick auf den Euro. Die Gemeinschaftswährung leidet unter der Schuldenkrise.
  • FTD.de, 18.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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