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Merken   Drucken   02.12.2010, 16:30 Schriftgröße: AAA

Staatsanleihenkäufe: Trichet macht nicht den Bernanke

Der EZB-Chef widersteht dem Ruf von Politikern und Anlegern, klamme Euro-Staaten mithilfe der Notenpresse durchzufüttern. Banken bekommen allerdings weiterhin unbegrenzt Liquidität. Anleger sind nur kurz enttäuscht. von Christine Mai  Frankfurt
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre außerordentlichen Liquiditätshilfen für Banken bis Ende des ersten Quartals 2011 aufrecht erhalten. Das sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet  nach der Zinssitzung der Notenbank in Frankfurt. So wolle die EZB gegen "akute" Spannungen im Markt angehen. Die Entscheidung fiel laut Trichet im Konsens, also nicht einstimmig.
Soll die EZB Anleihen von Pigs-Staaten kaufen?

 

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Zu weiteren Käufen von Staatsanleihen schuldengeplager Euro-Staaten sagte der Franzose lediglich, das Programm laufe weiter. Es werde von der überwältigenden Mehrheit der Ratsmitglieder getragen. Trichet betonte, es handele sich nicht um eine quantitative Lockerung, die EZB werde die so entstehende Liquidität weiter aus dem System saugen. Den Leitzins beließ die Notenbank auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent.
Investoren reagierten zunächst enttäuscht. Im Vorfeld der Pressekonferenz waren Hoffnungnen aufgekommen, die EZB werde im Kampf gegen die Schuldenkrise entschlossener einspringen. Teilweise war die Hoffnung aufgekeimt, die EZB werde ähnlich wie die US-Notenbank Fed massive Anleihenkäufe starten. Der Euro rutschte unter 1,31 Dollar, berappelte sich aber wieder und lag zuletzt bei 1,3189 Dollar. Aktienindizes büßten Gewinne ein. Der DAX  rutschte zeitweise ganz leicht ins Minus auf 6865 Punkte, erholte sich aber später wieder.
Die Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen fielen zunächst, lagen aber zuletzt mit 2,81 Prozent so hoch wie seit Mitte Mai nicht mehr. Renditen bewegen sich bei Anleihen gegenläufig zu den Kursen. Die Renditen auf spanische, irische, portugiesische und italienische Staatsanleihen gingen zruück, möglicherweise aus Erleichterung über die anhaltenden Liquiditätshilfen. Händler berichteten laut Nachrichtenagenturen zudem von Bondkäufen der EZB.
Die EZB hat damit angesichts der schweren Euro-Schuldenkrise ihren bisherigen Kurs verlassen. Die Zentralbank war bisher bemüht, ihre außerordentlichen Hilfen für Märkte und Banken zurückzufahren. Ursprünglich wollte sie am Donnerstag sogar mitteilen, wie sie 2011 ihre Liquiditätshilfen für die Geldhäuser weiter einzudampfen gedenkt. Nun erhalten die Geldhäuser zumindest bis Ende März weiter unbegrenzt Geld. Dem Ruf nach einer Ausweitung der Staatsanleihenkäufen widerstand die EZB aber. Trichet betonte vielmehr, nationale Regierungen müssten ihre Staatsfinanzen sanieren und Strukturreformen durchsetzen, um das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen.
In den vergangenen Tagen hat das Misstrauen der Investoren gegen verschuldete Euro-Staaten neue Höhepunkte erreicht - trotz eines milliardenschweren Rettungspakets für Irland und dem Beschluss eines permanenten Krisenmechanismus für Schuldenstaaten. Die Skepsis richtet sich gegen immer mehr Länder, die noch dazu wie Spanien sehr große Volkswirtschaften sind. In einem höchst ungewöhnlichen Vorgang hatte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn die EZB am Vortag indirekt dazu angehalten, ihre Käufe von Staatsanleihen auszuweiten.

Teil 2: Warten auf die Regierungen

  • FTD.de, 02.12.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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