Als Pimco-Grüner Bill Gross am 9. März erklärte, sämtliche US-Staatsanleihen aus dem Portfolio seines wichtigsten Fonds geworfen zu haben, war das an den Kapitalmärkten fast so stark zu spüren wie das Beben in Japan. Warum der Manager des Total Return Fund der Allianz -Tochter seine Entscheidung getroffen hat, begründet er in seinem Investmentausblick für April: Es sind die Kosten für soziale Programme, darunter die Krankenversicherungen Medicare und Medicaid.
Nach Darstellung von Gross tauchen die Ausgabenposten nicht in der laufenden Haushaltsführung auf und übersteigen die im Etat ausgewiesenen und durch Bonds gedeckten Verbindlichkeiten um ein Vielfaches. In seiner Rechnung kommt er auf eine Schuldenlast von 75.000 Mrd. Dollar. Der Top-Manager folgert daraus, dass US-Treasuries deshalb "nur geringen Wert" hätten.
Gross bezweifelt, dass die USA ihr Schuldenproblem überhaut lösen kann. Seine Ausführungen verband er abermals mit scharfer Kritik an der amerikanischen Politik. Er sagte eine "trügerische" Abwertung des Dollar voraus und sprach von "Taschendiebstahl" bei den Sparern.
Der Pimco-Gründer ist seit Monaten auf einer Art Feldzug gegen die US-Politik, insbesondere attackiert er die Regierung und die Federal Reserve. Gross hatte die milliardenschweren Anleihekäufe der Fed mit einem Schneeballsystem verglichen. Dass sich die Länder mit Wachstum von Schulden befreien könnten, funktioniere nicht mehr. "Es gibt wie in einem Schneeballsystem keine Notwendigkeit, weitere Leichtgläubige zu finden. Sie (die US-Notenbank) wird die Schecks einfach selbst ausstellen. Ich frage: Hat es jemals ein dreisteres Schneeballsystem gegeben?" Co-Pimco-Chef Mohamed El-Erian warf der US-Regierung vor, ihre Schulden weginflationieren zu wollen.
Gross machte folgende Rechnung auf: Zu den 9100 Mrd. Euro Verbindlichkeiten aus laufenden Krediten - nur die Washingtons, also ohne Bundesstaaten und Städte - kämen notwendige Gelder für Sozialprogramme von 66.000 Mrd. Dollar hinzu. Würden sie korrekt im Etat verbucht, würde die Verschuldung bei fast 500 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen. Damit stellten die USA das Land, dass die Euro-Zone ins Wanken brachte, locker in den Schatten: "We're out-Greeking the Greeks", schreibt Gross, was so viel heißt wie. "Wir sind griechischer als die Griechen."
In seinem Outlook verglich der Pimco-Gründer US-Parlamentarier mit dem Zeichentrick-Stinktier Pepe le Skunk. Der Fondsmanager untersuchte die Ausgabenstruktur der USA und kam zu dem Schluss, dass die Politiker ohnehin kaum Chancen hätten, die Haushaltslage zu verbessern. Denn nicht auf gesetzlichen Verpflichtungen basierende - also quasi freiwillige - Ausgaben machten nicht einmal ein Viertel des Gesamtbudgets aus, wenn die Militärkosten herausgerechnet würden.
Selbst wenn alle in diesem Sinne optionalen Ausgaben aus dem Haushalt gestrichen würden, betrüge das Staatsdefizit der Vereinigten Staaten noch immer 700 Mrd. Dollar, rechnet Gross vor. Anlegern wie Bürgern empfiehlt er daher, nichts auf Sparversprechen der Poltik zu geben: "Glauben Sie ihnen nicht - und halten Sie sich die Nase zu", rät er in Anspielung auf das Stinktier.
Gross nennt vier Möglichkeiten, einen Staatsbankrott zu verhindern - die Käufern und Inhabern von US-Treasuries allesamt nicht gefallen dürften. Zum einen könnten die Schuldverschreibungen schlicht für rechtlich ungültig erklärt werden - undenkbar, glaubt Gross. Als zweites fällt ihm wie Co-Chef El-Erian das absichtliche Zulassen einer höheren Teuerung ein, die die Schulden quasi weginflationiere: sehr wahrscheinlich, aber nicht ausreichend, urteilt der Fondsmanager. Schließlich bleibe eine "trügerische" Abwertung des Dollar, die schon im Gang sei. Und viertens der heimliche Wertverlust des Geldes durch die seit Monaten auf Niedrigstniveau liegenden Leitzinsen, die angesichts der herrschenden Inflation tatsächlich negativ seien.
Teil 2: "Dieses Land kann seine Schulden nicht zurückzahlen!"