Die Fluchtwährung und Gold gelten als bombensichere Investments. Doch ausgerechnet ein Schweizer Banker warnt vor blindem Vertrauen in beide beliebte Werte. Er meint: Goldkäufer brauchen gute Nerven.
von Barbara SchäderFrankfurt
In den Turbulenzen der Euro-Krise bieten nach Einschätzung der UBS selbst Gold und Schweizer Franken keinen vollständigen Schutz. "Weder Gold noch der Franken behält seinen Status als sicherer Hafen", schrieb der oberste Investmentstratege der Schweizer Bank, Alexander Friedman, in einem Brief an wohlhabende Kunden.
Der Franken biete schon seit drei Monaten keine Wertsteigerungen mehr, argumentierte Friedman unter Verweis auf die Geldpolitik der Schweizer Nationalbank (SNB). Die Notenbank hatte Anfang September die Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro gestoppt. Da sie einen Euro-Kurs von weniger als 1,20 Franken nicht zulässt, kann die Schweizer Devise nur noch fallen. Gold sei zwar weiterhin eine empfehlenswerte Anlage. Investoren könnten sich aber nicht länger darauf verlassen, dass der Preis bei einem Ausverkauf an den Aktienmärkten stabil bleibe oder gar steige.
Zwar hat sich das gelbe Edelmetall im Zuge der Schuldenkrise kräftig verteuert. Nach dem Anstieg auf ein Rekordhoch von 1900 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) gab der Preis aber wieder deutlich nach, am Freitag notierte Gold bei 1595 Dollar je Feinunze. Allein in dieser Woche fiel der Kurs um mehr als 100 Dollar.
Wichtigster Grund dafür war die Aufwertung des Dollar, der zu Beginn der Woche gegenüber dem Euro kräftig zulegte. Da Gold in Dollar notiert ist, verteuert ein starker Greenback das Edelmetall für Anleger außerhalb der USA - die Nachfrage sinkt. Gestützt wurde der Dollar durch Zweifel an der Umsetzung der EU-Gipfelbeschlüsse in der vergangenen Woche.
Hinzu kam die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve, auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik vorerst zu verzichten. In den vergangenen Monaten hatte die Fed den Dollar durch die Ausweitung der Geldmenge und gezielte Aktionen zur Senkung der langfristigen Zinsen geschwächt. Doch zuletzt haben sich die Aussichten für die US-Konjunktur wieder aufgehellt. Die Notenbank verzichtete deshalb vorerst auf weitere Schritte zur Stützung des Wirtschaftswachstums.
Dieser Beschluss stützte nicht nut den Dollar, sondern linderte auch die Angst vor einer Inflation in den USA. Damit verliert ein wichtiges Motiv für Goldkäufe an Bedeutung.
Eine weitere mögliche Erklärung für den Kursrutsch in dieser Woche: Bei einer Talfahrt an den Aktienmärkten kommt es vor, dass Investoren zum Ausgleich von Verlusten ihre Goldbarren auf den Markt werfen. Dieser Effekt trat möglicherweise am Mittwoch ein, als sowohl der Stoxx 600 als auch der Goldpreis rund drei Prozent verloren. Am 26. September war der Goldpreis unter vergleichbaren Umständen sogar um acht Prozent abgestürzt.
Auf die Gefahr solcher Massenverkäufe quer durch Anlageklassen hob Friedman in seinem Brief ab: "Investoren sollten Gold nicht in der Erwartung kaufen, dass es bei liquiditätsgetriebenen Ausverkäufen als sicherer Hafen dient", schrieb der UBS-Stratege.
Auf mittlere Sicht rechnet die Schweizer Bank dennoch mit einem Anstieg des Goldpreises. Innerhalb der nächsten zwölf Monate werde voraussichtlich die Marke von 2200 Dollar pro Unze durchbrochen, heißt es im Anfang Dezember veröffentlichten Investment-Ausblick 2012 der UBS.
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