Das größte Risiko sehen die meisten Analysten für die Liquiditätsversorgung der Märkte. Entscheidend ist, ob die Notenbank Federal Reserve US-Staatsanleihen nach einem Zahlungsausfall weiterhin als Sicherheiten für Kredite an die Geschäftsbanken akzeptiert. Diese Frage warf vor einer Woche der Präsident der Fed-Zweigstelle in Philadelphia auf, Charles Plosser: "Sollten wir sie weiter so behandeln, als wäre nichts passiert? Oder sollten wir sie nicht mehr als Sicherheiten für Kredite akzeptieren?"
Notenbanker Plosser will der Politik ungern unter die Arme greifen
Plosser selbst neigt offenbar zur letztgenannten Alternative - obwohl sie den Zugang der Geschäftsbanken zu frischem Geld erheblich erschweren würde. Der Notenbanker argumentierte, die Fed dürfe der Politik die Lösung der Schuldenkrise nicht abnehmen: "Wir dürfen nicht die Unfähigkeit des Finanzministeriums ausgleichen, neue Kredite aufzunehmen." Einige Banken bereiten sich nach Informationen der Financial Times bereits darauf vor, bei bestimmten Transaktionen weniger auf US-Staatsanleihen zurückzugreifen - und horten deshalb Bargeld.
Absicherung gegen eine Pleite wird teurer
Auch die Kosten für die Absicherung von US-Staatsanleihen gegen einen Zahlungsausfall steigen: Die Prämien für CDS-Kreditausfallderivate mit einer Laufzeit von fünf Jahren stiegen seit dem vergangenen Freitag um zehn auf 64 Basispunkte. Damit kostet es 64.000 Dollar jährlich, US-Schuldtitel im Wert von 10 Mio. Dollar über einen Zeitraum von insgesamt fünf Jahren gegen einen Zahlungsausfall abzusichern.
Die CDS-Prämien für Derivate mit einer Laufzeit von einem Jahr notieren sogar auf einem Rekordhoch von 80 Basispunkten. Da sich die Sorgen der Anleger vor allem auf die nächsten Wochen beziehen, ist die Absicherung kurzlaufender Schuldtitel teurer als von Mehrjahrespapieren.
Allerdings ist der Markt für CDS auf US-Staatsanleihen sehr klein: Laut Zahlen der Depository Trust & Clearing, eines US-Clearinghauses, sind Papiere im Wert von knapp 5 Mrd. Dollar gegen einen Zahlungsausfall abgesichert. Von Panik kann also keine Rede sein.