04.02.2010, 21:12
Überbordendes Staatsdefizit: Portugal löst Investorenpanik aus
Erst beschäftigte Griechenland den Kapitalmarkt, nun fragen sich die Investoren: Wer ist der nächste Pleitekandidat? In den Fokus rücken Portugal und Spanien. Madrid bemüht sich um Schadensbegrenzung, die Börsen fallen.
von Tobias Bayer Frankfurt
und André Kühnlenz Frankfurt
Die Angst um die Staatsfinanzen von Portugal, Griechenland und Spanien hat die Märkte richtig durchgeschüttelt. Von Madrid bis Ungarn gaben die Börsen am Donnerstag deutlich nach. Der Euro fiel gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit Juli - und die Risikoaufschläge bei Kreditderivaten und Anleihen weiteten sich aus.
Der spanische Ibex fiel um 3,6 Prozent und erreichte das tiefste Niveau seit August. Der portugiesische PSI-20-Index ging um 4,2 Prozent zurück. Ebenfalls nach unten ging es in Budapest und Athen: Der Budapest-Stock-Index büßte 2,1 Prozent, der griechische ASE-Index sogar 2,7 Prozent ein. Der Euro fiel bis auf 1,3811 $ - und baute seine Verluste nach der Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter aus.
Der Markit-SovX-WE-Index, der die Aufschläge auf Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) von 15 europäischen Ländern wiedergibt, weitete sich am Donnerstag zum ersten Mal seit seiner Auflage im September 2009 auf über 100 Basispunkte aus. Der Anfangswert lag bei der Hälfte. "Große Häuser und Hedge-Fonds fürchten um die Refinanzierung der EU-Peripherie. Sie decken sich panisch mit Versicherungsschutz ein", sagte Gavan Nolan, Vice President Research bei dem Datendienstleister Markit, FTD.de.
Extrem waren die Ausweitungen der Risikoaufschläge bei Portugal (21 Basispunkte), Griechenland (20 Basispunkte) und Spanien (16 Basispunkte). Das spiegelte sich auch bei den Anleihen wider: Die Renditedifferenz zwischen zehnjährigen portugiesischen und deutschen Anleihen um zehn auf 157 Basispunkte aus. Das ist der größte Abstand seit März.
Portugals Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos bangt um die Finanzierung des Staatshaushalts
Auslöser für die jüngsten Turbulenzen war aus Sicht der Marktakteure Portugal. "Das Land enttäuschte mit einer Anleiheemission", sagte Markit-Experte Nolan. Anstelle der angepeilten 500 Mio. Euro begab die portugiesische Finanzagentur am Mittwoch nur 300 Mio. Euro über kurzfristige Papiere. Die Investoren hätten zu hohe Risikoaufschläge gefordert, was die Kosten der Schuldenaufnahme drastisch verteuert habe, sagten Marktteilnehmer.
Neben der Anleiheemission schüren auch politische Querelen in Lissabon die Ängste der Investoren. Innerhalb des Parlaments wird über eine Gesetzesinitiative der Opposition diskutiert, die Finanztransfers an autonome Regionen des Landes vorsieht. Die Regierung ist bestürzt und will das Vorhaben blockieren. "Die Glaubwürdigkeit des portugiesischen Staates steht auf dem Spiel. Wir müssen dringend beweisen, dass wir den Haushalt im Griff haben", sagte das Kabinettsmitglied Jorge Lacao am Donnerstag.
Die Furcht vor einer Staatspleite treibt momentan den Kapitalmarkt um. Stand anfangs Griechenland im Fokus, so rücken andere Kandidaten wie Portugal in den Mittelpunkt. "Wer ist der Nächste?", schrieben die Kreditstrategen von Unicredit in einem Researchbericht. "Das belastet insbesondere Portugal und Spanien. Hier sind die Sparpläne nicht so ambitioniert wie in Griechenland", sagte Kornelius Purps, Anleihenstratege bei Unicredit.
Madrid wehrte sich dagegen, in einem Atemzug mit Griechenland genannt zu werden. Man stelle keine Gefahr für die Euro-Zone dar, sagte Spaniens Wirtschaftsministerin Elena Salgado: "Der Euro ist eine sehr starke Währung. Wir werden die Währung weiterhin stärken. Ich sehe keine Risiken für die Euro-Zone", sagte Salgado dem Radiosender "La Cope". Die Situation Spaniens sei von derjenigen Griechenlands zu unterscheiden.
Teil 2: Aufruhr in der EU-Peripherie
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FTD.de, 04.02.2010
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