BoE-Chef Mervyn King macht die Konjunktur mehr Sorgen als die Inflation
Die Notenbank reagiert mit den Wertpapierkäufen auf die Eintrübung der Konjunkturaussichten. Im zweiten Quartal wuchs die britische Wirtschaft laut revidierten Zahlen vom Mittwoch nur noch um 0,1 Prozent. Finanzminister George Osborne hatte bereits vor einigen Wochen eingeräumt, dass die bisherige Wachstumsprognose von 1,7 Prozent für das gesamte Jahr nicht mehr zu halten sei.
Während der jüngsten Rezession hatte die BoE Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 200 Mrd. Pfund erworben, um die Wirtschaft zu stützen. Das Programm, das analog zu den Anleihekäufen in den USA als Quantitative Easing (geldpolitische Lockerung) bezeichnet wurde, lief Anfang 2010 aus. Während die US-Notenbank Federal Reserve bereits im vergangenen Jahr eine zweite Runde (QE2) einläutete, widersetzte sich die BoE Forderungen nach einer Wiederaufnahme der Anleihekäufe lange aus Sorge um die Inflation. Noch im August lagen die Verbraucherpreise 4,5 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Währungshüter erwarten "mittelfristig" niedrigere Teuerungsraten
Die Notenbank räumte am Donnerstag ein, die Teuerungsrate werde in den kommenden Monaten voraussichtlich sogar auf fünf Prozent steigen. Das hänge aber mit Sonderfaktoren zusammen: Versorgungsunternehmen hätten eine Erhöhung der Energiepreise angekündigt. Die Entwicklung der vergangenen Monate gehe auf die Mehrwertsteuererhöhung im Januar und den Anstieg der internationalen Rohstoffpreise zurück. Beide Effekte dürften mittelfristig abklingen, schreibt die BoE. "Die Verschlechterung der Konjunkturaussichten macht es wahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig unter der angestrebten Rate von zwei Prozent liegen wird."