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Merken   Drucken   16.06.2011, 09:57 Schriftgröße: AAA

Umschuldung: Iren bitten private Gläubiger doch noch zur Kasse

Die Beteiligung der Investoren am Schuldendesaster spielt eine zentrale Rolle in der Griechenland-Frage. Den Gläubigern irischer Banken drohen nun trotz eines Versprechens der Regierung Verluste – gegen die Haltung der EZB.
© Bild: 2011 Getty Images
Die Beteiligung der Investoren am Schuldendesaster spielt eine zentrale Rolle in der Griechenland-Frage. Den Gläubigern irischer Banken drohen nun trotz eines Versprechens der Regierung Verluste – gegen die Haltung der EZB.
Inhaber vorrangiger Anleihen von Anglo Irish Bank und Irish Nationwide Building Society sollen doch an den Verlusten der beiden Unternehmen beteiligt werden. Das sagte der irische Finanzminister Michael Noonan in einem Interview mit dem Fernsehsender RTE. Bislang hatte die Regierung stets erklärt, die Halter von vorrangigen Anleihen seien auf der sicheren Seite - es sei denn, die beiden Banken würden zusätzliches Kapital benötigen. Die Zentralbank war vergangenen Monat zu dem Schluss gekommen, dass keine der Banken Extra-Geld brauche. Die Regelung soll jedoch nicht für die Anleihen der beiden größten Banken Bank of Ireland  und Allied Irish Banks  gelten.
Michael Noonan, irischer Finanzminister   Michael Noonan, irischer Finanzminister
"Wir glauben nicht, dass die irischen Steuerzahler für das, was zu spekulativen Investments geworden ist, geradestehen sollten", sagte Noonan in dem Gespräch mit RTE. Zuvor hatte er sich mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) getroffen und das Thema diskutiert. Der IWF "verstand unsere Position ohne Einschränkung", sagt Noonan. Als nächstes wolle er mit der EU über dieses Thema sprechen.
Der stellvertretende Premierminister Eamon Gilmore sagte, man habe die Europäische Zentralbank (EZB) noch nicht über die Pläne informiert. Die Umstände hätten sich jedoch seit dem Bail-out im vergangenen Jahr geändert. Damals hatte die EZB einen solchen Schritt abgelehnt. "Die irische Wirtschaft ist in einer vollkommen anderen Situation als die der Staaten, die derzeit Probleme haben. Deshalb sind wir in einer sehr viel stärkeren Position als zu Beginn unserer Regierungszeit Anfang März und auch als zum Zeitpunkt des Bail-outs, um mit der Europäischen Zentralbank zu verhandeln", sagte Gilmore.
In den vergangenen beiden Jahren hatte Irland rund 34,7 Mrd. Euro in Anglo Irish und Irish Nationwide gepumpt. Jetzt werden die beiden Banken miteinander verschmolzen und ihre Vermögenswerte über einen Zeitraum von insgesamt zehn Jahren abgewickelt. Bei Anglo Irish stehen vorrangige unbesicherte Anleihen im Volumen von 3,2 Mrd. Euro aus, bei Irish Nationwide sind es Papiere im Umfang von 601 Mio. Euro.
Die Bonds handeln derzeit mit einem deutlichen Abschlag, sagte Noonan: "Der Zweitmarkt ist der Markt, der anzeigt, was der angemessene Preis ist. Dieser ist unsere Verhandlungsbasis." Die im Juni 2012 fällige 400 Mio. Pfund schwere (454 Mio. Euro) senior unsecured floating-rate note notiert derzeit bei 79,5 Pence. Eine senior unsecured floating-rate note über 1,25 Mrd. Euro, die im Januar 2012 ausläuft, kostet derzeit 83 Cent.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte sich dagegen ausgesprochen, die Halter von vorrangigen Anleihen an den Verlusten zu beteiligen. "Es besteht die Gefahr, dass der Markt zu viel in diese Sache hineininterpretiert", sagte Jim Ryan, ein Director bei Glas Securities in Dublin. "Wir glauben nicht, dass sich an der Position der EZB zur Verlust-Verteilung bei Bankanleihen etwas ändern wird."
  • FTD.de, 16.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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