Merken   Drucken   05.12.2012, 16:29 Schriftgröße: AAA

Unternehmensanleihen: Anlegers liebstes Kind

2012 war das Jahr der Unternehmensanleihen in Europa. Und der Drang von Firmen an den Kapitalmarkt wird anhalten. Die neuesten Trends: Mikrobonds - und der gute alte Schuldschein.
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2012 war das Jahr der Unternehmensanleihen in Europa. Und der Drang von Firmen an den Kapitalmarkt wird anhalten. Die neuesten Trends: Mikrobonds - und der gute alte Schuldschein.

Es ist selten, dass Zahlenmenschen wie Investmentbanker Liebeserklärungen abgeben. Es sei denn, es geht um Finanzprodukte, die zudem aktuell gut laufen. Matt Mish, leitender Kreditstratege bei der Schweizer Großbank UBS , ließ jüngst während einer Konferenz in Frankfurt sein Herz sprechen. "Wir lieben Unternehmensanleihen im Vergleich zu Bankanleihen", gab er Kunden und Konkurrenten mit auf den Weg. "Unternehmen gehen an den Anleihemarkt und wenden sich von Bankkrediten ab."

Dieses Bekenntnis dürfte Mish allerdings auch leicht gefallen sein. Das zu Ende gehende 2012 war ein Jahr der Unternehmensanleihen, während weniger neue Bankschuldverschreibungen auf den Markt kamen. Das Ausfallrisiko für Unternehmensanleihen wird derzeit vom Markt deutlich geringer eingeschätzt als noch im Sommer. Der Markit-Index Itraxx Europe Crossover, der derivative Kreditausfallabsicherungen auf 125 bonitätsstarke europäische Unternehmen abbildet, steht aktuell nur noch bei knapp 120 Punkten, im Sommer waren es noch fast 190 Zähler gewesen.

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"Zentralbanken und Regierungen haben die Eintrittswahrscheinlichkeit systemischer Risiken deutlich reduziert und somit auch dazu beigetragen, dass die Risikoprämien für risikobehaftete Anlageklassen gesunken sind", erklärte Christophe Bernard, Chefstratege der Vontobel-Gruppe. Insbesondere die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Euro unter allen Umständen zu verteidigen, ließ Investoren zur Jahresmitte Zuversicht schöpfen.

Dies spiegelte sich auch am Markt für neue Unternehmensanleihen wider, der den stärksten November seit Langem erlebte. Laut dem Datenanbieter Thomson Reuters begaben europäische Firmen im vergangenen Monat Schuldverschreibungen über 47,7 Mrd. Dollar  (36,7 Mrd. Euro), fast doppelt so viel wie im November 2011. Insgesamt stieg das bisherige Emissionsvolumen im laufenden Jahr um 60 Prozent auf 441,9 Mrd. Dollar. Bei Hochzinsanleihen gab es im Jahresvergleich ein Plus von elf Prozent auf 68,5 Mrd. Dollar. Größer Einzelmarkt war im November Deutschland mit einem Anteil von 25 Prozent. Bei 28 Emissionen kamen 14,2 Mrd. Dollar zusammen - laut dem Datenanbieter Dealogic ein Novemberrekord.

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Auch auf anderen Wegen besorgten sich Unternehmen Geld am Kapitalmarkt. So erleben kleinformatige Hochzinsanleihen - Mittelstandsanleihen oder Mikrobonds - genannt, einen Boom in Deutschland. Teils im Tagesrhythmus wurden zuletzt neue Papiere an den Börsen Frankfurt und Stuttgart platziert und innerhalb weniger Stunden komplett gezeichnet. Es locken Renditen von sechs bis sieben Prozent, denen allerdings ein hohes Ausfallrisiko gegenübersteht.

Zudem entdecken immer mehr Unternehmen den Schuldschein wieder. Dies ist eine Art Anleihe, die direkt bei Investoren wie Versicherern oder Sparkassen platziert wird. Nach Berechnungen der Unternehmensberatung Capmarcon wurden bis Ende September 73 Mrd. Euro an Schuldscheinen in Deutschland platziert.

Dem Boom bei Unternehmensanleihen steht die Flaute bei gedeckten wie unbesicherten Bankschuldverschreibungen gegenüber. Bislang wurden 2012 gedeckte Bankanleihen, zu denen auch der Pfandbrief zählt, im Umfang von 223,1 Mrd. Dollar aufgelegt. Das sind laut Thomson Reuters 34,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Am Markt dürfte noch weniger gelandet sein, weil viele dieser Papiere von Banken allein mit dem Ziel aufgelegt wurden, sie als Sicherheit bei der Notenbank einzureichen. Neu am Markt waren die belgischen Banken KBC  und Belfius. Bei unbesicherten Vorranganleihen betrug das Minus dank starker Emissionstätigkeit im Spätsommer nur 17,6 Prozent auf 275,3 Mrd. Dollar im Jahr 2012.

Im kommenden Jahr dürfte der Drang von Industriefirmen und Dienstleistern an den Kapitalmarkt anhalten, auch weil Banken aus regulatorischen Gründen weniger Kredite vergeben können. Mit der Stabilisierung der Lage in der Euro-Zone dürften auch die Geldinstitute verstärkt an den Markt zurückkehren. "Der Markt dreht sich weiter, auch wenn einige Spieler ausscheiden werden", sagte ein Anleiheexperte.

  • Aus der FTD vom 06.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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