Auch wenn die Aufräumarbeiten die von der Krise gebeutelten Citigroup teuer zu stehen kommen - immerhin tragen sie nun erste Früchte. Die drittgrößte US-Großbank hat zwar am Montag für das dritte Quartal angesichts einer milliardenschweren Abschreibung für ihren Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Morgan Stanley Smith Barney einen satten Gewinneinbruch von 88 Prozent auf 468 Mio. Dollar vorgelegt. Gleichzeitig überzeugte das Institut jedoch mit einer lange herbei gesehnten Erholung in den Kerngeschäftssparten. Der Unternehmenskurs legte nach Handelsbeginn in New York zwischenzeitlich um mehr als vier Prozent zu.
Nach Branchenprimus JP Morgan Chase und Wells Fargo legt mit der Citigroup nun auch das Sorgenkind der Bankensparte ein ansehnliches Ergebnis vor. Das US-Geldhaus hatte in der Krise mit 45 Mrd. Dollar vom Staat gestützt werden müssen. Vor einem halben Jahr erst war es durch den Stresstest der Notenbank Federal Reserve gefallen und durfte daraufhin keine Dividende ausschütten. Mit Sparmaßnahmen und einer Rückbesinnung aufs Kerngeschäft bemüht sich Bankchef Vikram Pandit darum, das Institut wieder auf ein stabiles Fundament zu stellen. Dazu gehört auch die Loslösung aus dem Vermögensverwalter Morgan Stanley Smith Barney.
Nach einer lange währenden Meinungsverschiedenheit hatte sich Citigroup vor knapp einem Monat mit der US-Investmentbank Morgan Stanley auf eine Bewertung für das Gemeinschaftsunternehmen geeinigt. Der Preis bedeutete ein deutliches Zugeständnis für Citigroup: Statt der geforderten 22 Mrd. Dollar bekommt das Institut nun insgesamt nur noch 13,5 Mrd. Dollar für den Verkauf der restlichen Anteile. Dies schlug in dem abgelaufenen Quartal mit einem Verlust von 4,7 Mrd. Dollar vor Steuern zu Buche.
Abzüglich dieser Abschreibung und weiterer Sondereffekte, die den Gewinn auf 15 Cent pro Aktie drückten, kam Citigroup allerdings auf einen Gewinn von 3,27 Mrd. Dollar - oder 1,06 Dollar pro Aktie. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Gewinn von lediglich 96 Cent pro Aktie gerechnet. So lagen auch die Gesamteinnahmen je nach Betrachtungsweise weit auseinander: 14 Mrd. Dollar inklusive und 19,4 Mrd. Dollar abzüglich Sondereffekte.
An der Wall Street kam das Ergebnis unterm Strich gut an. Dieses Quartal habe "diverse Antriebsfedern", merkte Analyst Glenn Schorr von Nomura an. "Kredit, Einlagen- und Kapitalgeschäft wachsen alle. Auch das Investmentbanking und die Abwicklungsgeschäfte laufen gut. Wir denken, das die Anteilsscheine immer noch ziemlich günstig sind." Das Institut profitierte besonders von einer Wiederbelebung des Investmentbankings. So legte der Gewinn in der Wertpapiergeschäftssparte um 67 Prozent zu - im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte diese Geschäftssparte noch schwer unter dem Einfluss der schwelenden Euro-Krise gelitten.
Auch im Privatkundengeschäft lief es in den drei Monaten bis einschließlich Ende September besser: Im Vorjahresvergleich legte der Gewinn in dieser Geschäftssparte um 18 Prozent auf 2,2 Mrd. Dollar zu. Angetrieben wurde dies von einem Ertragswachstum auf dem heimischen Markt um sechs Prozent auf 5,4 Mrd. Dollar dank eines Aufschwungs im Hypothekengeschäft, den man Ende der vergangenen Woche bereits aus den Ergebnissen von JP Morgan und Wells Fargo herauslesen konnte. Auch das lateinamerikanische Privatkundengeschäft legte angesichts der gestiegenen Kreditnachfrage in Mexiko um sieben Prozent auf 2,4 Mrd. Dollar zu.
"Unsere Kerngeschäftssparten haben in diesem Quartal an Schwung gewonnen, weil wir das Kreditgeschäft ausweiten und die Geschäftseinnahmen steigern konnten", teilte Bankchef Pandit mit. Das Institut, das mehr als die Hälfte im Ausland umsetzt, leidet derweil unter der weltweiten Abkühlung des Wirtschaftsklimas. Im internationalen Privatkundengeschäft musste das Geldhaus ein Minus von drei Prozent hinnehmen. "Angesichts des globalen Wirtschaftsumfelds sind wir sehr vorsichtig beim Risikomanagement, damit wir unser Geschäft weiterhin sicher und gesund ausweiten können", fügte Pandit hinzu.