Das Hotel Mama ist im Mittelmeerraum besonders beliebt. Der Hedge-Fonds-Manager Boaz Weinstein sieht darin einen Zusammenhang mit der Schuldenkrise. Der ehemalige Chef des Kredithandels bei der Deutschen Bank ist für wilde Zahlenspiele berüchtigt.
von Barbara SchäderFrankfurt
Faulheit, Schlendrian, Korruption - diese Vorwürfe haben sich die Griechen in den vergangenen zwei Jahren immer wieder anhören müssen. Doch damit nicht genug: Der Hedge-Fonds-Manager Boaz Weinstein schilt die Hellenen als Muttersöhnchen.
In einer im Internet kursierenden Präsentation zeigt Weinstein, dass in den Euro-Krisenstaaten deutlich mehr Erwachsene im Hotel Mama leben als in anderen Ländern. Je höher der Anteil der 18- bis 34-jährigen Männer, die bei ihren Eltern hausen, desto höher wird das Risiko eines Zahlungsausfalls ihres Heimatlands am Markt eingeschätzt. Zwischen den Haushaltsdaten und den Kosten von Kreditausfallderivaten (CDS) zur Absicherung von Staatsanleihen besteht eine erstaunliche Korrelation.
Der Befund lädt dazu ein, erneut in Klischees zu verfallen: In Italien - wo laut Eurostat rund 50 Prozent aller Jünglinge ihr Nest nicht verlassen – war Mamma ja immer schon die Größte. Und die Spanier - Erfinder des Machismo - lassen sich natürlich auch gern zu Hause umsorgen, statt ihre Wäsche selbst zu waschen.
Schuld ist die wirtschaftliche Misere
Höchstwahrscheinlich sind die wahren Gründe für die hohe Nesthocker-Quote in den Euro-Krisenstaaten aber weitaus banaler - und gar nicht lustig: Die Einkommen sind in Südeuropa einfach so niedrig und die Arbeitslosigkeit ist so hoch, dass sich viele junge Leute keine eigene Wohnung leisten können. Für diese These spricht, dass auch in osteuropäischen Staaten wie Polen, Rumänien oder der Slowakei mindestens die Hälfte aller Männer unter 34 noch bei ihren Eltern leben. In Bulgarien liegt die Quote laut Eurostat sogar bei 70 Prozent.
Weinsteins Zahlenspiel veranschaulicht also tatsächlich, dass den Krisenstaaten auf den Märkten nicht zufällig großes Misstrauen entgegenschlägt - wenn die Muttersöhnchen auch nicht ihr größtes Problem sind.
Aus den Korrelationen von CDS-Kosten zu anderen Wirtschaftsdaten hat der Amerikaner übrigens schon einmal falsche Schlüsse gezogen: 2008 verzockte der damalige Co-Leiter des Kredithandels bei der Deutschen Bank mit Wetten auf die Entwicklung von CDS-Prämien zu den Renditen von Staatsanleihen binnen drei Monaten 1 Mrd. Euro.
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