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Merken   Drucken   14.02.2011, 18:29 Schriftgröße: AAA

Wachstum auf Pump: Vietnam in der Währungsfalle

Im Kampf gegen das ausufernde Handelsbilanzdefizit setzt die Zentralbank auf eine Abwertung des Dong. Damit droht sich die rasante Teuerung zu verschärfen. Zudem will die Regierung die Strompreise erhöhen.
Die Vietnamesen müssen sich ab Dienstag auf Stromausfälle gefasst machen. Der stellvertretende Energieminister Hoang Quoc Vuong bestätigte am Montag indirekt Medienberichte, wonach die Elektrizitätszufuhr wegen akuter Versorgungsengpässe gedrosselt werden könnte: "Wenn Strommangel herrscht, muss die Stromzufuhr eingeschränkt werden", sagte Vuong der Nachrichtenagentur Bloomberg. Laut einem Bericht der staatlichen Zeitung "Vietnam News" ist das Elektrizitätsnetz überlastet, weil der staatlich kontrollierte Strompreis dem Betreiber keinen Raum für Investitionen ließ.
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Der drohende Blackout ist symptomatisch. Denn die sozialistische Regierung hat in den vergangenen Jahren nicht nur die Stromversorgung auf Pump finanziert. Das Wirtschaftswachstum von fünf bis sechs Prozent pro Jahr beruhte vor allem auf Investitionen aus dem Ausland, Tourismus und einer zuletzt auch durch Konjunkturprogramme gestützten Binnennachfrage. Auf dem Weltmarkt war Vietnam, das sich gern als kleines China darstellt, weitaus weniger erfolgreich.
Das Handelsbilanzdefizit des Landes belief sich im vergangenen Jahr auf 12,4 Mrd. Dollar, das entspricht rund zwölf Prozent des vietnamesischen Bruttoinlandsprodukts. Gleichzeitig schrumpfte die Devisenreserve zusammen: Ende 2010 belief sie sich nach Aussagen des Planungsministeriums von der vergangenen Woche noch auf "mehr als 10 Mrd. Dollar", ein Jahr zuvor waren es noch 16 Mrd. Dollar gewesen.
Vor diesem Hintergrund zog die Zentralbank am Freitag die Reißleine: Mit einer Abwertung des Dong um gut acht Prozent will sie das das Handelsbilanzdefizit verringern. Die Schwächung des Dong soll vietnamesische Produkte auf dem Weltmarkt billiger und damit attraktiver machen. Gleichzeitig werden Importe für die vietnamesische Wirtschaft teurer. Am Montag fiel der Dong auf ein Rekordtief, ein Dollar kostete bei Handelsschluss in Hanoi nur noch 20.900 Dong. Vor der Abwertung mussten für einen Greenback rund 2000 Dong weniger gezahlt werden.
Inflationsrate von über zwölf Prozent
Die Schwächung der vietnamesischen Währung bedeutet aber auch ein steigendes Inflationsrisiko, weil die Unternehmen die höheren Kosten für die Einfuhr ausländischer Waren auf die Verbraucher umlegen könnten. Die Lebenshaltungskosten sind in den vergangenen zwölf Monaten bereits um 12,2 Prozent gestiegen. Auch eine Zinserhöhung durch die Zentralbank im November konnte den Preisauftrieb nicht stoppen.
Die einzige Hoffnung für die Vietnamesen ist, dass die Abwertung des Dong nicht viel ändert. Denn praktisch passte sich die Zentralbank mit ihrem jüngsten Schritt dem inoffiziellen Wechselkurs an, der für die meisten Geschäfte maßgeblich ist. Der Dollar wird in weiten Teilen Vietnams als Parallelwährung genutzt und ist in zahlreichen Wechselstuben unter dem offiziellen Kurs erhältlich. "Der neue Wechselkurs galt für die meisten Transaktionen zwischen Unternehmen schon seit vier Monaten. Deshalb glauben wir, dass die Abwertung keine größeren volkswirtschaftlichen Folgen haben wird", schrieb die Fondsgesellschaft Dragon Capital in einer Analyse.
Falls die Investmentprofis recht behalten, wird die Abwertung allerdings auch das Handelsbilanzdefizit nicht schmälern. Das wäre gefährlich für Vietnam, denn angesichts schwindender Devisenreserven steigt das Risiko, dass das Land die Rechnungen für Importe nicht mehr zahlen kann. Die großen Ratingagenturen Fitch, Moody's  und Standard & Poor's haben die Kreditwürdigkeit Vietnams bereits herabgestuft.
Zumindest die Finanzierung des Stromnetzes will die Regierung künftig offenbar auf eine solidere Basis stellen: Laut der englischsprachigen Zeitung "Vietnam News" sollen die Strompreise im März um 15 Prozent erhöht werden.
  • FTD.de, 14.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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