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Merken   Drucken   04.05.2012, 13:13 Schriftgröße: AAA

Wall Street: Goldman plant Anleihe-Aldi

Die US-Investmentbank Goldman Sachs leidet unter sinkenden Einnahmen im Kapitalmarktgeschäft. Mit einer neuen Handelsplattform will sie den Umsatz steigern und die Kosten senken.
© Bild: 2012 Bloomberg/Daniel Acker
Die US-Investmentbank Goldman Sachs leidet unter sinkenden Einnahmen im Kapitalmarktgeschäft. Mit einer neuen Handelsplattform will sie den Umsatz steigern und die Kosten senken.
von Frankfurt

Goldman Sachs  will mit einer elektronischen Handelsplattform für Anleihen seinen Marktanteil ausbauen. Das berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider. Die US-Investmentbank habe ein System namens GSessions für den Kauf und Verkauf von Unternehmensanleihen entwickelt, das noch in diesem Monat an den Start gehen könnte. Für Transaktionen auf dieser Plattform werde Goldman niedrigere Gebühren berechnen als im traditionellen Anleihehandel.

Bislang werden elektronische Handelsplattformen und Computerprogramme vor allem für den Kauf und Verkauf von Aktien eingesetzt. Doch die Automatisierung des Anleihehandels schreitet voran: Erst kürzlich hatte der Vermögensverwalter Blackrock  angekündigt, für seine Kunden ein elekronisches Netzwerk für Bond-Transaktionen aufzubauen. Blackrock-Manager Richard Prager betonte, mit dem System namens Aladdin könnten Investoren erhebliche Kosten sparen.

Es geht ums Kerngeschäft

Die Blackrock-Pläne sind für Investmentbanken wie Goldman eine Bedrohung. Denn der Anleihehandel ist für die Geldhäuser einer der wichtigsten Ertragsbringer. Nach Informationen der Financial Times denkt das Institut über eine Automatisierung weiterer Handelsbereiche nach: Die Pläne beträfen neben Anleihen auch Währungen und Rohstoffe, berichtete die britische Zeitung vor einem Monat. Das Kapitalmarktgeschäft mit diesen drei Produktgruppen ist bei Goldman in der Sparte FICC (Fixed Income, Currencies and Commodities) zusammengefasst.

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Eine Automatisierung brächte zwar geringere Gebühren je Transaktion und damit niedrigere Gewinnmargen mit sich. Gleichzeitig würden aber die Kosten sinken. Ein wichtiges Argument, denn in den vergangenen zwei Jahren sind die Erträge im FICC-Handel bei den meisten Investmentbanken deutlich zurückgegangen: Bei Goldman beispielsweise erzielte die Sparte im vergangenen Jahr mit 9 Mrd. Dollar die geringsten Erlöse seit dem Krisenjahr 2008.

Neben der Zurückhaltung vieler Kunden wegen der Schuldenkrise und weltweiter Konjunkturrisiken belasten die Folgen der weltweiten Finanzmarktreform das Geschäft: Banken müssen für riskante Investments künftig mehr Eigenkapital vorhalten. Zwar bezieht sich diese Vorschrift in erster Linie auf Geschäfte auf eigene Rechnung, nicht auf die Abwicklung von Transaktionen im Kundenauftrag. Doch die Übergänge sind fließend: Investmentbanken springen häufig selbst als Käufer oder Verkäufer von Wertpapieren ein, wenn die Aufträge von Großkunden anders nicht abzuwickeln sind.

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Auch bei Transaktionen über GSessions will Goldman laut "Wall Street Journal" als Handelspartner auftreten, falls beim automatischen Abgleich von Geboten und Kaufgesuchen keine Transaktion zustande kommt. Zudem plane die Bank, die Handelsplattform zunächst nur zu bestimmten Terminen für kurze Sitzungen freizuschalten, bei denen gezielt an bestimmten Anleihen interessierte Kunden zusammengebracht werden sollten. Gedacht sei zunächst an einen Investmentgrade-Bond und eine hochverzinsliche Anleihe pro Tag, schreibt die Zeitung.

Mit dieser Vorauswahl soll offenbar sichergestellt werden, dass sich auch für Anleihen kleinerer Unternehmen oder komplexe, aus Kreditpools zusammengestellte Finanzprodukte Abnehmer finden. Für solche Nischenprodukte sind offene Plattformen wenig geeignet - sie funktionieren nur für besonders liquide Produkte, die in großer Menge und ständig gehandelt werden.

Ein gutes Beispiel sind nach Angaben der Schweizer Bank UBS  Währungen. Das Geldhaus bietet seinen Kunden schon seit längerem die Nutzung einer hauseigenen Devisenhandelsplattform an.

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  • FTD.de, 04.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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