Der Internationale Währungsfonds (IWF) will ein Programm einführen, das seine Mitgliedsstaaten vom Auftürmen von Devisenreserven abhält. Das Programm könne einer Versicherung ähneln, so dass die Länder sich nicht durch den Aufbau eigener Reserven vor Krisen und Kapitalabflüssen absichern müssten, sagte IWF-Vize John Lipsky.
Viele exportstarke Schwellenländer bauen seit Jahren immer höhere Reserven an ausländischen Devisen auf - meist in der Weltleitwährung US-Dollar. Die Rücklagen - sie summieren sich derzeit laut IWF-Daten auf rund 4200 Mrd. $ - gelten als eine der Ursachen für die Finanzkrise, da die hohe Nachfrage nach dem US-Dollar aus den Schwellenländern die Kapitalmarktzinsen in den USA lange Zeit auf niedrigem Niveau hielt und so die Kreditvergabe sowie die Immobilienspekulation zusätzlich befeuert hat.
Mit ihren hohen Reserven wollen die Länder autark werden für den Fall von Krisen, die aufgrund der dann gestiegenen Risikoaversion in der Regel mit einem schnellen und dramatischen Abfluss von Kapital ausländischer Investoren einhergeht. Ein Mangel an ausländischen Devisen gilt als einer der wichtigsten Gründe für die Asienkrise in den 90er-Jahren.
Die Reserven entstehen aber auch, weil viele Länder sich mit aller Macht gegen eine Aufwertung ihrer eigenen Währung stemmen - indem sie ihre eigenen Exportüberschüsse in ausländischen Devisen anlegen. Das hohe Angebot an der heimischen Währung an den Devisenmärkten verhindert eine Aufwertung oder drückt gar deren Kurs - was aus Sicht der Schwellenländer erwünscht ist: Eine schwache Inlandswährung stimuliert den Export, weil die Güter zu gleichen Erlösen in der eigenen Währung im Ausland billiger angeboten werden können.
So kletterten die Reserven Taiwans und Südkoreas im abgelaufenen dritten Quartal um knapp 40 Mrd. $. Für China liegen zwar keine Daten zum dritten Quartal vor, allein im zweiten Quartal addierte das Land jedoch weitere 178 Mrd. $ zu seinen Devisenreserven hinzu, die sich inzwischen auf rund 2200 Mrd. $ belaufen. Da China als besonders exportstarkes Land seine Währung an den Dollar gebunden hat, zwingt es anderen asiatischen Ländern indirekt ähnliche Maßnahmen auf, wenn diese wettbewerbsfähig bleiben wollen.
Künftig müssten sich laut Lipsky die Rollen aber ändern. "Die Länder mit Überschüssen müssen den Wechsel auf eine stärkere Inlandsnachfrage forcieren", erklärte er in einem weiteren Interview mit dem Sender CNBC.