Die Frankfurter Währungshüter schwemmen den Markt mit Geld. Sie wollen die drohende Rezession lindern. Der Euro macht seine Verluste wieder wett.
Die Europäische Zentralbank (EZB) forciert ihren Kampf gegen die Krise: Der EZB-Rat drückte am Donnerstag den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. Es ist die zweite Zinssenkung, seit vor einem Monat der neue EZB-Präsident Mario Draghi sein Amt antrat. Die unter Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet im April und Juli beschlossenen Zinserhöhungen sind damit wieder ausgeglichen. Nach nur acht Monaten Pause steht der Leitzins wieder auf dem Rekordtief, das im Kampf gegen die Rezession im Jahr 2009 eingeführt wurde.
EZB-Präsident Draghi hatte bereits im November gesagt, er befürchte einen neuerlichen Konjunktureinbruch. Zu erwarten sei, dass "das langsame Wachstum zum Jahresende in eine milde Rezession übergeht".
Die Zinssenkung soll verhindern, dass es noch schlimmer kommt. Denn sie verringert die Kosten der Kreditvergabe: Der Leitzins ist der Satz, zu dem sich die Geschäftsbanken Geld bei der EZB leihen. Eine Senkung geben sie mit Verzögerung in der Regel an ihre eigenen Kunden weiter, indem sie die Zinsen für Kredite an Verbraucher und Unternehmen herabsetzen. Außerdem verschaffen günstige EZB-Darlehen den Geschäftsbanken mehr Spielraum für Investitionen an den Kapitalmärkten.
Der Euro, der kurz vor der weithin erwarteten Entscheidung gefallen war, machte seine Verluste wieder wett und eroberte die Marke von 1,34 Dollar zurück. Er notierte damit zum Vortag praktisch unverändert.
Einige Devisenhändler hatten offenbar auf eine noch stärkere Zinssenkung spekuliert und deshalb vor der Entscheidung Euro verkauft. Denn mit einer Senkung unter die Marke von 1,0 Prozent hätte sich das Zinsgefälle zwischen dem Euro-Raum und den USA stark reduziert, deren Leitzins nahe Null liegt. Anlagen in höher verzinslichen Währungen werfen tendenziell mehr Ertrag ab. Dieser Vorteil für den Euro schwindet mit jeder Zinssenkung.
EZB hält Inflationsrisiko für beherrschbar
Die Vermehrung der Geldmenge birgt überdies die Gefahr, dass die Inflationsrate weiter steigen könnte und die Kaufkraft des Euro sinkt. Im November lag die Teuerungsrate in den 17 Staaten der Euro-Zone laut einer ersten Schätzung bei drei Prozent. Die EZB erwartet angesichts der Abkühlung der Konjunktur aber, dass sie im kommenden Jahr wieder unter zwei Prozent fällt.
Mit der Rückkehr zum Krisenzins beendet die EZB einen Alleingang: Unter den großen westlichen Notenbanken war sie die einzige, die im Frühjahr mit Zinserhöhungen begann. Die Bank of England bestätigte am Donnerstag ihren Leitzins von 0,5 Prozent, der seit Frühjahr 2009 gilt. In den USA liegt der Satz schon seit Herbst 2008 zwischen 0 und 0,25 Prozent.
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