Merken
Drucken
19.12.2008, 11:00
Schriftgröße: AAA
Abgeltungssteuer:
Ein Quantum Rendite
Banken preisen Dachfonds als Allheilmittel gegen die Abgeltungsteuer. Die Produkte sind nicht immer erste Wahl, doch es gibt Alternativen.
von Alexander Heintze
Geht es um das Thema Steuersparen, werden Anleger hellhörig und Banken erfinderisch. Das gilt etwa für Dachfonds, die als große Gewinner der Abgeltungsteuer gelten. Diese Fonds investieren ihrerseits in Aktien,- Immobilien- oder Rentenfonds und weisen einen entscheidenden Vorteil auf: Während der Fiskus bei privaten Anlegern ab dem kommenden Jahr gnadenlos die Hand aufhält, wenn diese Aktien oder Fonds mit Gewinn verkaufen, können Fondsmanager innerhalb des Fondsmantels Anlagen steuerfrei umschichten.
Kursgewinne, die sie beim Verkauf einzelner Fonds erzielen, sind steuerfrei. Die Steuer in Höhe von 25 Prozent wird nur fällig, wenn Anleger den Dachfonds mit Gewinn verkaufen. Wer sogar noch in diesem Jahr einsteigt und den Fonds mehr als ein Jahr behält, sichert sich für die gesamte Haltedauer sogar noch die komplette Steuerfreiheit.
Für Banken und Vermögensverwalter ist das ein willkommenes Verkaufsargument. Seit Wochen trommeln sie großflächig für ihre jeweiligen Dachkonstruktionen. Mit Erfolg: Nach Berechnungen des Branchenverbands (BVI) sammelten Dachfonds von Januar bis September über 8,3 Mrd. Euro ein. Ein Jahr zuvor waren es in diesem Zeitraum gerade einmal 1,28 Mrd. Euro.
Dann kam die FinanzkriseIn den kommenden Wochen werden die Institute ihre Anstrengungen noch mal erhöhen. Denn Anfang des Jahres haben viele Fondsgesellschaften neue Produkte aufgelegt, in der Hoffnung, vom Abgeltungsteuergeschäft zu profitieren. Dann kam die Finanzkrise, das erhoffte Zusatzgeschäft droht auszufallen.
Der Druck zu verkaufen ist hoch. Denn vielen Fonds droht im kommenden Jahr das Aus, wenn sie nicht eine kritische Masse erreichen. Das hätte unangenehme Folgen für Anleger. Denn wenn diese 2009 zwangsweise den Fonds wechseln müssen, ist der Bestandschutz dahin. Wird das Geld neu angelegt, fallen künftige Erträge komplett unter die Abgeltungsteuer. Anleger sollten daher gerade bei neueren Dachfonds genau hinterfragen, welches Volumen sie bislang aufbauen konnten.
Zumal Dachfonds trotz des Steuervorteils nicht automatisch die beste Wahl sind. In vielen Dachfonds stecken ausschließlich oder überwiegend die eigenen Produkte der Fondsgesellschaften. So kassieren die Banken auf zwei Ebenen Gebühren. Anleger haben sogar noch den zusätzlichen Nachteil, dass die hauseigenen Fonds nur in wenigen Fällen auch die besten am Markt sind. "Viele Gesellschaften haben zudem im Vorfeld der Abgeltungsteuer ihre Gebühren kräftig erhöht" , sagt Michaela Gajewski von der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart.
Dachfonds sind unflexibelDass die Fonds diese Gelder auch wert sind, blieben viele Manager in der Vergangenheit schuldig. So verlor zum Beispiel der DWS Vorsorge-Dachfonds in den letzten zwölf Monaten mit fast 35 Prozent stärker an Wert als der breit gestreute MSCI-Welt-Aktienindex.
Überhaupt setzen die meisten Dachfonds nur auf steigende Börsen. "Damit sind sie zu unflexibel, um in schwankenden Märkten eine positive Rendite erwirtschaften zu können", sagt Gajewski. Fonds, die flexibel in verschiedene Märkte investieren, sind demgegenüber im Vorteil - in der Theorie zumindest. Mischfonds und sogenannte Multi-Asset- oder auch Super-Fonds investieren in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Zertifikate oder Immobilien. Auch für sie gilt: Die Fondsmanager können die Anlagen innerhalb der Fonds steuerfrei beliebig kaufen und verkaufen.
Im Idealfall sorgt das breite Anlageuniversum für eine bessere Risikostreuung als bei einem reinen Aktiendachfonds. Denn der Fondsmanager kann in schwierigen Zeiten auch komplett aus den Märkten aussteigen. Dass viele Manager von ihren Möglichkeiten allerdings keinen Gebrauch gemacht haben, zeigt ein Blick auf die negative Entwicklung vieler Fonds in den letzten Wochen.
Teil 2: Umschichtungen bleiben von der Abgeltungstuer verschont
-
FTD.de, 19.12.2008
© 2008 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden