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17.03.2008, 20:52
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"Das Tschernobyl der US-Finanzbranche"
Der rasante Untergang der US-Investmentbank Bear Stearns erschüttert die Finanzwelt. An der Wall Street geht die Angst um: Wen trifft es als Nächstes? Die Zweifel wachsen, ob Notenbanken und Regierungen die Subprime-Krise überhaupt nachhaltig bekämpfen können.
von Heike Buchter (New York) und Tim Bartz (Frankfurt)
Tag und Nacht brannte das Licht in den oberen Etagen des 47 Stockwerke hohen Büroturms an der noblen 383 Madison Avenue in Manhattan. Im Hauptquartier der Investmentbank Bear Stearns jagte am Wochenende eine Krisensitzung die nächste. Am Sonntagabend dann die Kapitulation: Um den Konkurs abzuwenden, stimmte die Spitze der Bank einer Notübernahme durch den Rivalen JP Morgan zu.
Einen solchen Absturz hat die Wall Street bisher nicht gesehen. Am Ende war eine Aktie nicht einmal so viel wert wie ein Café Latte beim Starbucks neben dem Bear-Stearns-Büroturm. 2 $ will JP Morgan Chase für Bear Stearns zahlen, insgesamt gerade mal knapp 240 Mio. $. Allein der Büroturm ist viermal so viel wert. Böse Zungen lästern, dass JP Morgans Vorstandschef Jamie Dimon das Immobilienschnäppchen in Manhattan bekommen habe, das er schon lange haben wollte.
Was für ein schmähliches Ende für einen der glanzvollsten Namen der Finanzbranche. Der Schock an der Wall Street sitzt tief: "Bear ruht neben der ,Titanic‘ auf dem Grund des Ozeans", sagt Robert Brusca von FAO Economics. Vergangenen Sommer notierte die Aktie bei knapp 160 $. Noch Anfang vergangener Woche lag der Kurs bei 60 $. Am Freitag schloss sie bei 30 $. "Wir erleben das Tschernobyl der US-Finanzbranche", sagt Chris Whalen von Institutional Risk Analytics, der einmal bei Bear Stearns gearbeitet hat. "Wenn Bear Stearns nur noch 2 $ wert ist, was heißt das für den Rest der Banken?"
Bear Stearns: Der Niedergang dauerte vier Tage
Was Wall-Street-Veteranen die Knie zittern lässt: Die Nummer fünf der US-Investmentbanken ist innerhalb von nur vier Tagen untergegangen. Nun werden ganz andere Befürchtungen wach: Was kommt da noch? Wer ist der Nächste? Und vor allem: Lässt sich diese Subprime-Krise überhaupt mit den klassischen Waffen bekämpfen und eindämmen?
Seit Monaten spielt sich in der Finanzwelt ein beunruhigendes Muster ab: Kaum scheint ein Problem gelöst, tauchen zwei neue auf. "Diese Krise ist völlig anders als andere", warnt ein hochrangiger Bear-Stearns-Banker. "1998 hat es beim Hedge-Fonds LTCM ausgereicht, dass die Fed ein paar Bankenchefs zusammentelefoniert hat, um die Krise zu beenden." Auch bei der Krise 1987 sei letztlich nur der Aktienmarkt betroffen gewesen. "Aber heute sind die gegenseitigen Abhängigkeiten der verschiedenen Märkte dermaßen groß, dass alles infiziert ist."
Auch Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums, hegt Zweifel: "Eine solche weltweite Krise zu beherrschen ist heute weitaus schwieriger denn je." Die Märkte seien viel komplexer als früher. "Eine einfache Zinssenkung durch die Notenbank oder ein Anruf bei einer Geschäftsbank wie im Fall JP Morgan reicht nicht mehr aus, um das Desaster zu beenden."
Teil 2: Geldstrom kann Märkte nicht beruhigen
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Aus der FTD vom 18.03.2008
© 2008 Financial Times Deutschland,
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