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Merken   Drucken   18.11.2008, 11:47 Schriftgröße: AAA

Aktienhandel: Die wichtigsten Kennzahlen bei Aktien

Bewertungskennzahlen erleichtern die Auswahl vielversprechender Aktien. Doch ihre Aussagekraft ist begrenzt - gerade jetzt. FTD.de stellt die wichtigsten Kennzahlen vor. von Franz von den Driesch
Auf der Suche nach dem fairen Wert einer Aktie nutzen Investoren gern Bewertungskennzahlen. Sie verheißen gerade derzeit viele Schnäppchen. Ihre Aussagekraft ist jedoch begrenzt, denn sie haben alle ihre Schwächen. "Bevor Anleger sich für eine Aktie entscheiden, sollten sie immer mehrere Kennzahlen prüfen", rät Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors. Die FTD stellt die wichtigsten vor.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) errechnet sich aus dem Kurs geteilt durch den Gewinn je Aktie und ist die bekannteste Kennziffer. Aufgrund des drastischen Kursverfalls der vergangenen Monate sind die 30 Dax-Werte nur noch mit dem Achtfachen des für 2009 erwarteten Gewinns bewertet - der niedrigste Stand seit 1987. Das durchschnittliche Dax-KGV der vergangenen 28 Jahre liegt bei 14,6. "Fällt das Dax-KGV unter 10, können Anleger über einen Kauf von Aktien nachdenken. Vorsicht ist hingegen bei einem KGV von über 15 geboten", sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. Rückblickend hat sich die Formel bewährt. Wer das niedrige KGV Anfang 1993 oder Ende 2002 zum Einstieg nutze, verbuchte danach hohe Gewinne.
Durchblicken im Zahlendschungel: Die Konzentration auf wesentliche ...   Durchblicken im Zahlendschungel: Die Konzentration auf wesentliche Kennzahlen kann helfen
Es gab jedoch auch Phasen wie die Hausse um die Jahrtausendwende, in denen die Bewertung aberwitzige Niveaus erreichte und die Kurse dennoch kletterten. Das KGV ist auch nur so gut wie die Gewinnschätzungen. Und darin liegt ein Problem: "Die erwarteten Gewinne weichen stets von den tatsächlichen ab", sagt Hendrik Leber, Chef der Acatis Vermögensverwaltung. Gleiches droht nun wieder: Im Schnitt gehen die Analysten von einer Gewinnsteigerung im Dax für 2009 von 16 Prozent aus, was angesichts der Konjunkturlage unrealistisch ist. So nutzt auch Leber das KGV nur im Vergleich längerer Zeiträume.
Im Gegensatz zum KGV ist das Kurs-Buch-Verhältnis (KBV) keine Kennzahl für die erwartete Ertragskraft eines Unternehmens, sondern für dessen Substanzwert. "Ich halte das KBV für aussagekräftig. Der Buchwert spiegelt wider, was ein Unternehmen Wert ist, wenn man unterstellt, dass sämtliche Prozesse der Kapitalaufnahme und der Ausschüttungen einfrieren", sagt Leber. Während das KBV des Dax im Schnitt der vergangenen acht Jahre bei 1,6 liegt, weist es aktuell einen Wert von 1,15 auf. Nur in schweren Krisen rutscht das KBV - es errechnet sich vereinfacht ausgedrückt aus der Summe der Aktiva abzüglich der Verbindlichkeiten - eines Börsenbarometers unter eins. Wäre dies beim Dax der Fall, müsste der Index unter 4000 Punkte fallen, wovon Hürkamp aber nicht ausgeht.
Auch das KBV darf nicht isoliert betrachtet werden. Hohe Verluste, durch die das Eigenkapital belastet wird, schlagen sich nicht direkt im Buchwert nieder. Bei jungen Unternehmen mit schwankungsanfälligen immateriellen Vermögenswerten ist das KBV auch nicht gut geeignet.
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) spiegelt das Verhältnis des Aktienkurses zum Umsatz je Aktie wider und ist auch nicht das Maß aller Dinge. Der Vorteil ist jedoch, dass es beim Umsatz im Gegensatz zu anderen Bilanzkennzahlen keinen Bewertungsspielraum gibt. Zudem können anders damit auch unrentable Unternehmen bewertet werden. Daher stand das KUV vor allem zu Zeiten des Neuen Markts hoch im Kurs, seitdem hat die Bedeutung jedoch abgenommen. Zu Unrecht, meint Analyst Hürkamp: "Vor allem in einer Abschwungphase ist das KUV hilfreich." Brauchbar ist es aber nur, wenn es wie das KGV mit dem Wert der Wettbewerber verglichen wird. Problematisch ist hingegen, dass ausufernde Kosten beim KUV keine Spuren hinterlassen - beim Aktienkurs hingegen schon.
Je höher, desto besser: Denn eine hohe Ausschüttung beschert Anlegern einen vom Kursverlauf unabhängigen Ertrag. Zudem kann eine hohe Rendite auf ein unterbewertetes Unternehmen hinweisen - muss aber nicht. Vor allem in turbulenten Börsenphasen ist die Kennzahl aber nur bedingt brauchbar. Denn sie basiert wie das KGV auf Analysteneinschätzungen. Und die sind laut Experte Hürkamp zu optimistisch. "Die Markterwartungen sind momentan viel zu hoch. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir 2009 zahlreiche Dividendenausfälle sehen."
Alternative: Cashflow
Definition Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) setzt die Finanzüberschüsse, den sogenannten Cashflow, ins Verhältnis zur Aktie. Der Cashflow ist der Saldo aus den Mittelzu- und -abflüssen und spiegelt die Finanzkraft eines Unternehmens wider. Das KCV gibt an, wie lange es braucht, ehe die Aktie aus dem Zahlungsstrom des Konzerns bezahlt ist. Je niedriger die Zahl ist, desto attraktiver ist das Unternehmen bewertet. Die Zahl wird verstärkt zur Beurteilung der Ertragskraft eingesetzt.
  • Aus der FTD vom 18.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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