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Merken   Drucken   15.10.2009, 20:16 Schriftgröße: AAA

Aktienindizes: Attraktivität ist relativ an den Finanzmärkten  

Leitartikel Aktien sind fundamental betrachtet nicht mehr günstig. Doch sie profitieren von dem Vergleich mit den Renditechancen anderer Anlageklassen.
Im Gleichschritt marschieren die wichtigsten Aktienindizes der Welt nach oben. In dieser Woche erreichte der Dow Jones  die Marke von 10.000 Punkten, der deutsche Leitindex Dax  nähert sich 5900 Punkten. Doch wer nach der spektakulären Erholung der Märkte seit März nun noch in den Aktienmarkt einsteigen will, muss sich über eines klar sein: Aktien sind im historischen Vergleich und anhand von Kennziffern wie Buchwert oder Gewinn inzwischen nicht mehr günstig. Was Aktien attraktiv macht, ist allenfalls die mangelnde Attraktivität anderer Anlageklassen.
Wie sehr sich die Börsenentwicklung von den Fundamentaldaten abgekoppelt hat, verdeutlicht die Tatsache, dass der deutsche Leitindex Dax derzeit auf dem gleichen Niveau notiert wie im Sommer 2006. Damals war von der Finanz- und Wirtschaftskrise noch nichts zu sehen, die globale Industrieproduktion lief auf vollen Touren, und die Globalisierung erreichte ihren Höhepunkt. Die Anleger unterscheiden auch kaum zwischen Branchen und Regionen: Die Einjahrescharts der Aktienmärkte in Japan, den USA und Deutschland gleichen sich wie ein Ei dem anderen.
Die relative Attraktivität von Aktien leitet sich stattdessen in erster Linie aus den extrem niedrigen Zinsen ab, mit denen die Notenbanken weltweit seit Monaten die Wirtschaft stützen. Sie sind in Verbindung mit der üppigen Liquiditätsausstattung der eigentliche Grund für die fulminante Kursrally der vergangenen Monate: Wenn es für eine Bundesanleihe mit fünf Jahren Laufzeit lediglich 2,3 Prozent Rendite pro Jahr gibt, erscheinen Aktien als eine erstklassige Alternative. Das gilt ganz besonders für dividendenstarke Werte und Titel von Unternehmen aus Sektoren wie Telekommunikation und Energie, die traditionell nur geringfügig von Konjunkturschwankungen betroffen sind.
Sich nun noch an der Börsen neu zu engagieren setzt allerdings die Bereitschaft voraus, die Entscheidung zu korrigieren, wenn Dividendenpapiere eben jene relative Attraktivität wieder einbüßen. Dies geschieht unweigerlich, wenn sich die Notenbanken irgendwann dazu durchringen, den Märkten die im Überfluss vorhandene Liquidität wieder entziehen, bevor es zur nächsten Blase kommt - und die Zinsen wieder steigen.
Im Vertrieb von Banken und Fondsgesellschaften wird gern argumentiert, dass für eine langfristige Aktienanlage der Einstiegszeitpunkt keine Rolle spielt. Dieses Argument greift aber oftmals ins Leere. Zum einen geht es vielen Marktteilnehmern eben doch um kurzfristige Gewinne. Und zweitens sind dem Anlagehorizont vieler Anleger durch einen eher späten Berufseinstieg und einen frühen gewünschten Renteneintritt Grenzen gesetzt. Auch biografische Wendepunkte wie Familiengründung, Hausbau oder Scheidung können langfristige Vermögensplanungen über den Haufen werfen. Wer bei der neuen Börsenparty jetzt noch kräftig mitfeiern will, sollte das im Hinterkopf haben.
  • Aus der FTD vom 16.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 16.10.2009 20:51:28 Uhr   Vera Münch: Der nächste Anlauf zum Niedergang der Hochku...

    ...und schon wieder - nur wenige Monate nach dem Zusammenbruch der Geldmarktseifenblase - tanzen alle wieder ums goldene Vlies und treiben den Niedergang der Hochkultur voran.
    Ich verstehe das einfach nicht: Wenn Geld nicht mehr als Tauschwert für reale Güter, Dienstleistungen, Immobilien, Grund und Boden, Arbeitskraft, Bodenschätze, Edelmetalle usw. eingesetzt wird und Aktien nicht mehr dem realen Wert von Unternehmensanteilen entsprechen, sondern Geld sich imanent selbst vermehren kann durch Angebot und Nachfrage nach Aktien (oder, noch schlimmer, Optionshandel) muss das System doch zwangsläufig kollabieren. Weil als Gegenwert hinter den Werten außer Hoffnung nichts mehr steht. Die Tatsache, dass Geld zur Ware geworden ist, die man ohne realen Gegenwert verkaufen kann - wird der Marktwirtschaften meiner Ansicht nach irgendwann das Rückgrat brechen.. Und auch kein staatlicher Rettungsschrim wird das auf Dauer verhindern können.
    Die Banken sollten sich auf ihr Kerngeschäft zurückbesinnen: Solide Geldbereitstellung für Innvestitionen, saubere Geldverwaltung und -organisation/transfer - eben Bankdienstleistungen - und damit ihr Geld verdienen. Nicht spekulative Geldvermehrung mit 'höchsten Renditechancen' als wichtigste Managementaufgabe betrachten.
    Wenn Geld Geld verdient, mag das aus heutiger Sicht ein wichtiger Marktfaktor sein. Aber wenn dieser wirklich nachhaltig wäre, dann müssten wir doch auch mit Hoffnungen Geld verdienen können, oder?

  • 16.10.2009 10:45:37 Uhr   Strichnid: Inflation pur
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