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Merken   Drucken   26.05.2008, 12:59 Schriftgröße: AAA

Amerikaner lassen ihre Autos stehen

Sie fahren die dicksten Autos und verbrauchen am meisten Benzin: Doch jetzt zu Beginn der Driving Season schränken sich die Amerikaner ein. Viele bleiben wegen der hohen Spritpreise über den Sommer zuhause. Und die Landwirtschaft entdeckt das Maultier wieder.
von Tobias Bayer (Frankfurt)

Jetzt reagieren selbst die Amerikaner. Am Memorial-Day-Wochenende, das traditionell die Feriensaison und damit die so genannte Driving Season einläutet und am Montag endete, ließen viele Familien in den Vereinigten Staaten wegen der hohen Benzinpreise ihr Auto stehen. Wie Nirmal Acharya, der ein Restaurant besitzt. Er verzichtete auf die 483 Kilometer lange Fahrt nach Chicago von Troy. "Die Benzinpreise spielen eine große Rolle, wenn man knapp 1000 Kilometer zurücklegt", sagte Acharya der Nachrichtenagentur "Bloomberg". Das Ergebnis: Der 27-jährige blieb mit seiner dreiköpfigen Familia zuhause in Troy.

Archarya macht es wie viele Amerikaner. 23 Prozent von ihnen haben ihre ursprünglichen Reisepläne für den Memorial Day deutlich gekürzt oder ganz eingestampft, wie aus einer Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte & Touche hervorgeht. Familien mit Kindern, die jünger als 13 Jahre sind, lag der Wert sogar bei 35 Prozent. "Die Menschen sorgen sich über ihr Budget. Sie bleiben lieber zu Hause. Das wird sich wahrscheinlich fortsetzen, so lange die Benzinpreise so hoch sind", sagt Adam Weissenberg, der für Deloitte & Touche die Studie durchgeführt hat.

Die Driving Season - Schrecken für die Autofahrer in der Welt

Bilderserie Bilderserie: Wer vom hohen Ölpreis profitiert

Der Hintergrund: Wegen Rohölpreisen von über 130 $ haben auch die Benzinpreise angezogen. Nach Angaben des US-Energieministeriums lagen sie vergangene Woche im Durchschnitt bei 3,79 $ je Gallone (entspricht 3,78 Litern). Stephen P. Brown von der Distriktnotenbank Dallas schätzt, dass mit jedem Cent, um den sich der Benzinpreis verteuert, die jährliche Benzinrechnung der Amerikaner um 1,42 Mrd. $ steigt. In den ersten vier Monaten des Jahres haben die US-Haushalte 158 Mrd. $ für Benzin ausgegeben. Zum Vergleich: 2003, vor der großen Ölpreisrally, waren es noch 88 Mrd. $. Das alles spielt sich ab, während die Hauspreise im freien Fall sind. Dementsprechend kritisch ist es um die finanzielle Situation vieler Amerikaner bestellt.

Was schlecht für die Amerikaner ist, ist für den Rest der Welt eine Erleichterung: Während der Driving Season steigt der Benzinverbrauch der USA rasant - und treibt damit auch die Preise hierzulande. Regelmäßig warnen Experten vor der Sommerzeit, die von Memorial Day bis Labor Day dauert. Am Memorial Day gedenken die Amerikaner ihren Kriegshelden.

Teil2: Wie elastisch ist die Nachfrage?

  • FTD.de, 26.05.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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