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02.03.2010, 15:00
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Anlage in aufstrebende Länder:
Schluss mit dem Bric-Wahnsinn
Kommentar
Unter Finanzdienstleistern ist ein aberwitziger Kult um Schwellenländeranlagen entstanden. Dabei gibt es zwischen Wachstum und Aktienmarktentwicklung gar keinen Zusammenhang.
von Christian Kirchner
Längst hat auch in Deutschland jeder Finanzdienstleister verstanden, was in den USA seit den 80er-Jahren ein geflügeltes Wort ist: Investmentfonds werden vertrieben, nicht gekauft. Und weil das so ist, geht es in der Anlageberatung in Deutschland nicht immer um Produkte, die für den konkreten Anlagebedarf sinnvoll sind, sondern meist eben um die Frage, welche griffige Geschichte sich derzeit gut verkaufen lässt.
Als regelrechter Dauerbrenner im Vertrieb fungiert - unterbrochen von kurzen Pausen zu Zeiten der Finanzkrise - die Anlageidee, sein Geld in Schwellenländer zu schieben. Dreh- und Angelpunkt der Argumentation, warum diese Region eine hervorragende Investitionsgelegenheit für Aktien- und Fondsanleger sei, ist das enorm hohe Wirtschaftswachstum.
Dreimal schneller als die Industrienationen werden die Schwellenländer laut IWF in diesem Jahr wachsen. Und längst gehört es zum kleinen Einmaleins der Privatanleger zu wissen, dass die vier Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China - wie Goldman Sachs dies prognostiziert hat - im Jahr 2050 die derzeitigen Industrieländer als größte Volkswirtschaften der Welt ablösen werden. Wer will da nicht dabei sein und sein Geld frühzeitig dorthin schieben, wo in den nächsten Jahrzehnten die Musik spielt? Knapp 65 Mrd. $ haben Anleger weltweit selbst im schwierigen Jahr 2009 in Schwellenländerfonds investiert, aus US-Aktienfonds hingegen haben sie 42 Mrd. $ abgezogen.
Antizyklisch gewinnt
Wenn aber der kurze Abriss der vergangenen zehn Jahre an der Börse eines zeigt, dann dies: Es hat sich auf lange Sicht noch nie gelohnt, mit dem Strom zu schwimmen, wenn Experten in ihren Analysen von Strategien oder Megatrends übereinstimmten. Im Gegenteil: Wer antizyklisch handelte, war der Gewinner. Sei es mit einem mutigen Einstieg bei allgemein depressiver Börsenstimmung. Oder mit Vorsicht, wenn sich alle anderen einig schienen. So wie jetzt.
Als Argument für eine Anlage in aufstrebende Länder ist das hohe Wirtschaftswachstum vollkommen untauglich. Langfristig besteht zwischen dem Wirtschaftswachstum und der Aktienkursentwicklung kein nennenswerter Zusammenhang. Seit 1900, haben Wissenschaftler der Londoner Business School errechnet und damit bisherige Studien bestätigt, besteht sogar eine leicht negative Korrelation zwischen dem Wirtschaftswachstum pro Kopf einer Volkswirtschaft und der Entwicklung ihres Aktienmarkts. Mehr noch: In 99 Prozent der Fälle ist die Kursentwicklung auf andere Faktoren zurückzuführen als auf die einfache Veränderung des Bruttoinlandsprodukts.
Teil 2: Verblüffend, aber schlüssig erklärbar
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FTD.de, 02.03.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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