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Merken   Drucken   15.08.2009, 09:00 Schriftgröße: AAA

Anlageberatung: Volle Konzentration auf den Kunden  

Honorarberatung fristet in Deutschland ein Nischendasein. Das hat die Politik inzwischen erkannt – und will sie fördern. von Brigitte Watermann
Am Kundenbedarf vorbei, getrieben vom eigenen Provisionsinteresse und daher gleichbleibend mies: Zahllose Untersuchungen stellen Banken und Finanzdienstleistern für ihre Beratungsqualität immer wieder ein schlechtes Zeugnis aus. Und offenbar hat auch die Finanzmarktkrise nicht dazu geführt, dass sie sich nachhaltig verbessert hat: Im jüngsten Test des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) scheiterten fast alle Berater schon im Ansatz, anleger- und anlagegerecht zu beraten, wie es der Bundesgerichtshof bereits 1993 in einem Grundsatzurteil gefordert hat. "Anleger werden oft schlecht bedient, weil die Berater gar keine Berater, sondern nur Produktverkäufer sind", urteilt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Der Banker muss in dem jetzigen provisionsgetriebenen System schon sehr edel sein, wenn er seinem Kunden sagt, ,dein Depot stimmt, du musst nichts umschichten‘", sagt Dorothea Mohn, Expertin für Finanzdienstleistungen beim VZBV.
Diese Erkenntnis setzt sich nun auch in der Politik durch. So hat sich Verbraucherministerin Ilse Aigner  auf die Fahnen geschrieben, die Qualität der Beratung zu steigern. Denn nach einer Studie, die ihr Ministerium in Auftrag gegeben hatte, setzen Verbraucher aufgrund mangelhafter Finanzberatung jährlich geschätzte 30 Mrd. Euro in den Sand. Mit mehreren Maßnahmen will Aigner das ändern. Eine davon ist die Stärkung von Honorarberatung: "Zur besseren Unterscheidbarkeit und Verlässlichkeit soll ein Berufsbild des Honorarberaters geschaffen und rechtlich verankert werden", lautet eine ihrer zehn Thesen zur Qualität der Finanzberatung.
Einfaches Prinzip
"Der Begriff Honorarberatung ist in Deutschland derzeit gesetzlich nicht geschützt", sagt Anja Schuchhardt von der Finanzaufsicht BaFin. Das birgt Risiken für die Verbraucher: "Der Begriff Honorarberater ist derzeit sehr positiv besetzt, daher ist es nicht auszuschließen, dass unter dem Deckmäntelchen der Honorarberatung auch solche Anbieter aktiv sind, die neben einem Honorar auch noch versteckte Provisionen kassieren", sagt Philipp Mertens, Partner der Düsseldorfer Kanzlei BMS. Insbesondere der VZBV und der Verbund Deutscher Honorarberater (VDH) bemühen sich, das Berufsbild des Honorarberaters gesetzlich zu verankern und an die zugelassenen Berater strenge Qualitätsanforderungen zu stellen.
Das Prinzip der Honorarberatung ist einfach: Der Kunde zahlt nur für die Beratung - etwa nach Zeiteinsatz oder einen festen Prozentsatz vom Vermögen. "Der Kunde, der sich bisher die provisionsgeladenen Produkte leisten konnte, der kann sich auf jeden Fall die niedrigeren Honorare leisten und erhält eine wirklich unabhängige Beratung", sagt VDH-Geschäftsführer Dieter Rauch. Doch genau darin liegt das Problem der Honorarberatung: Die Kunden sind es bislang nicht gewöhnt, für Finanzrat direkt zu bezahlen. Denn jahrzehntelang wurde ihnen suggeriert, Beratung sei umsonst, auch wenn das nie stimmte. "Das Bewusstsein, dass Beratung stets etwas kostet, ist bei den meisten Kunden bislang nicht vorhanden", sagt Dirk Stein, Experte für das Privatkundengeschäft beim Bundesverband deutscher Banken.
Lehman-Omas durch provisionsorientiertes System
"In einem provisionsorientierten System ist der Interessenkonflikt von Berater und Kunde nicht aufzulösen. Es gibt keine anständige Beratung in diesem System. Wir werden die Lehman-Omas alle Jahre wieder in einem anderen Gewand erleben", glaubt Karl Matthäus Schmidt, Vorstandssprecher der Berliner Quirin Bank. Das 2006 gegründete Institut setzt als wohl erste Bank auf reine Honorarberatung. Es hat im Juli ein weiteres Preismodell gestartet, um gezielt auch für Kunden mit kleineren Vermögen attraktiver zu werden. Kunden zahlen darin eine "All-in-Gebühr" in Höhe von 1,65 Prozent des angelegten Vermögens. Damit sind alle Kosten für die Vermögensverwaltung und sämtliche Transaktionen abgedeckt. De facto zahlen die Kunden aber deutlich weniger, da sie sämtliche Bestandsprovisionen und Rückvergütungen, sogenannte Kickbacks, zurückerstattet bekommen. Je nach Anlageprodukt könnten diese bis zu 0,8 Prozentpunkte ausmachen.
  • Aus der FTD vom 15.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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