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Merken   Drucken   31.01.2009, 09:00 Schriftgröße: AAA

Anleger-Informationen: Journalisten toppen Banker

Quartalsberichte? Analystenstudien? Tipps vom Bankberater? Für viele deutsche Kleinanleger ist das alles unwichtig. Sie informieren sich lieber über die Medien, hat das deutsche Aktieninstitut herausgefunden. von Sarah Speicher-Utsch
Kleinaktionäre informieren sich mit Abstand am stärksten über die Medien. Drei Viertel von insgesamt 470.000 befragten Privatanlegern beziehen so ihre Informationen.
Nur 40 Prozent ziehen ihren Bankberater zurate, geht aus einer am Donnerstag vorgestellten Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI) her, die unter Aktionären der Deutschen Post erhoben wurde.
Bei dem Ergebnis der Befragung fällt auf, dass nur 14 Prozent der Kleinaktionäre den Corporate-Governance-Bericht intensiv nutzen. Kennzeichen guter Corporate Governance sind eine effiziente und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat, die Achtung der Aktionärsinteressen sowie eine offene und transparente Kommunikation. Auch die institutionellen Anleger interessieren sich der Umfrage zufolge kaum für dieses Thema.
Welche Informationsquellen Privatanleger nutzen   Welche Informationsquellen Privatanleger nutzen
In den vergangenen Jahren wurde viel unternommen, um die Versorgung der Aktionäre mit aktuellen, relevanten und verlässlichen Informationen zu verbessern. Dennoch informieren sich Aktienanleger der Studie zufolge nur wenig intensiv über den Geschäftsbericht. Die Quartalsberichte verloren sogar deutlich an Bedeutung. Deshalb fordert das DAI, die Informationen im Geschäftsbericht zielgruppenorientiert aufzubereiten. Die Verständlichkeit für den Anleger müsse im Vordergrund stehen.
Im Vergleich zum Jahr 2004, als das DAI die Umfrage zum ersten Mal durchführte, wendeten sich Anleger besonders stark von der Gewinn-und-Verlust-Rechnung, der Bilanz und dem Lagebericht ab. Auch die Kapitalflussrechnung, die sich 2004 noch rund ein Drittel der Privatinvestoren genau anschaute, nutzen nur noch 27 Prozent der Befragten intensiv. Mehr Interesse weckte der Brief des Vorstandsvorsitzenden, den 2008 gut ein Drittel der Umfrageteilnehmer für wichtig hielt, nachdem es 2004 erst ein Viertel war. In den Anhang schauen hingegen nach wie vor nur zwölf Prozent der Privatanleger.
Während sich immer mehr Kleinaktionäre von der Unternehmensberichterstattung abwenden, gewinnt diese für institutionelle Investoren zunehmend an Bedeutung. Von 1500 befragten professionellen Anlegern gaben alle die Gewinn-und-Verlust-Rechnung als wichtigste Informationsquelle an. 2004 waren es erst 82 Prozent. Fast ebenso wichtig ist diesen Investoren die Bilanz, gefolgt von der Segmentberichterstattung, der Kapitalflussrechnung und dem Anhang.
Ein weiterer Unterschied zwischen privaten und institutionellen Anlegern: Während der Vorstand bei der Dividendenpolitik das Vertrauen von immer mehr Großanlegern (59 Prozent) genießt, wollen nur 13 Prozent der Kleinaktionäre, dass der Vorstand den Vorschlag für die Ausschüttung festsetzen kann.
  • Aus der FTD vom 31.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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