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Merken   Drucken   19.11.2011, 10:00 Schriftgröße: AAA

Börsenausblick: Anleger wappnen sich für Abkühlung

In Europa sorgen sich die Investoren um die Refinanzierung der Staaten, und auch in den USA rückt die immense Staatsverschuldung wieder in den Fokus. Machen sich neue Sorgen breit, könnte der Markttrend der kommenden Woche nach unten weisen.
© Bild: 2011 Bloomberg/Tim Boyle
In Europa sorgen sich die Investoren um die Refinanzierung der Staaten, und auch in den USA rückt die immense Staatsverschuldung wieder in den Fokus. Machen sich neue Sorgen breit, könnte der Markttrend der kommenden Woche nach unten weisen. von Doris Grass, Stefan Schaaf, Frankfurt und Thorsten Schröder, New York
Anleger müssen sich warm anziehen: Mit dem Anbrechen winterlicher Temperaturen in Europa und den USA drohen auch an den Finanzmärkten beider Wirtschaftsräume eisige Zeiten. Während die Euro-Zone weiter gegen eine Flucht von Investoren aus den Anleihemärkten kämpft, kann auch der Stillstand in den Bemühungen um eine Konsolidierung der US-Staatsfinanzen in den Blickpunkt der Märkte geraten. "Der Fokus auf die Euro-Zone hat den Blick von den USA genommen", sagte Elisabeth Corley, Europachefin von Allianz Global Investors. Wegen des Thanksgiving-Festes werden die US-Börsen am Donnerstag geschlossen sein.
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Kommt es nicht zu einer deutlichen Entspannung in Europa und einer Lösung im US-Haushaltsstreit, werden sich die Markttrends der abgelaufenen Woche fortsetzen: Kursverluste bei Aktien und europäischen Staatsanleihen. Am Devisenmarkt könnte es zu einer Berg- und Talfahrt kommen, die auch die Rohstoffpreise hoch und runter wirbeln dürfte.
In der abgelaufenen Woche fraß sich das Misstrauen der Märkte in die Kernländer der Euro-Zone hinein. Anleihen Frankreichs, Österreichs, Finnlands und der Niederlande standen unter Druck. Am Donnerstag sorgte eine Auktion spanischer und französischer Bonds für weitere Unruhe. Beide Länder konnten sich nur zu deutlich höheren Zinsen frisches Geld am Markt besorgen. Spanien musste den Anlegern fast sieben Prozent Rendite bieten und nähert sich damit bedrohlich der Marke, ab der sein Schuldendienst zu teuer wird.
Im Wochenvergleich kletterte die Rendite französischer Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit um zehn Basispunkte auf 3,45 Prozent. Bundesanleihen profitierten davon nicht, die Rendite der als besonders sicher geltenden deutschen zehnjährigen Papiere stieg um acht Basispunkte auf 1,96 Prozent.
Eingreifen der EZB bremst Renditeanstieg
Kursinformationen und Charts
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Gefragt waren hingegen US-Anleihen gleicher Laufzeit, ihre Rendite fiel um fünf Basispunkte auf 2,01 Prozent. "Im Moment werden Treasuries aber vor allem aufgrund der Situation in Europa gehandelt, weniger wegen der Lage im eigenen Land", sagte Robert Tipp, Chefanalyst von Prudential. Zwar sei die finanzielle Situation der USA noch immer sehr angespannt, zumal das Superkomitee beider Parlamentskammern sich kurz vor der Deadline am 24. November noch immer nicht auf einen Sparplan habe einigen können. Aber es gebe traditionell eine stärkere Zusammenarbeit der verschiedenen politischen Instanzen, um den Markt für Treasuries zu unterstützen. "Diese Art Urvertrauen wirkt sich gerade jetzt positiv aus", meint Tipp. Außerdem sei das Bevölkerungswachstum in den USA im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern noch immer positiv. "Das ist wichtig, um das Defizit langfristig in den Griff zu bekommen."
Bei Papieren aus Spanien und Italien bremste die EZB laut Händlern den Renditeanstieg. Die Rendite zehnjähriger Spanien-Bonds fiel am Freitag um acht Basispunkte auf 6,41 Prozent. Italienische Bonds rentierten im Tagesvergleich 14 Basispunkte niedriger bei 6,7 Prozent.
Viele Marktteilnehmer fordern inzwischen noch stärkere Käufe der Notenbank, wogegen sich deren Präsident Mario Draghi erst am Freitag wieder wandte. "Die Zentralbank ist letzten Endes die einzige Instanz mit genügend Macht und Power, um das Ruder noch herumzureißen", sagte Aktienstratege Jörg Rahn vom Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co der Nachrichtenagentur Reuters.

Teil 2: Stimmungsindikatoren rücken in den Fokus

  • FTD.de, 19.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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