Das milliardenschwere Rettungspaket für die angeschlagenen Euro-Länder wird die Richtung der Märkte auch in der kommenden Woche bestimmen - allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Nachdem die Erleichterung über eine abgewendete Staatspleite den Aktien in dieser Woche zu deutlichen Gewinnen verhalf, rechnen Analysten in den nächsten Tagen mit fallenden Kursen - wie sie sich zum Wochenschluss bereits abzeichneten. Denn die Sorge wächst , die Belastungen durch das Rettungspaket und die drastischen Ausgabenkürzungen in den Defizitländern könnten den ohnehin zarten Konjunkturaufschwung in Europa bremsen. Das dürfte vor allem den Euro weiter belasten.
"Die Märkte wissen, dass trotz des Pakets die Konjunktur der Euro-Zone insgesamt geschwächt ist - und das Paket das Wachstum noch weiter schwächen wird", sagt Brian Dolen, Währungsstratege bei Gain Capital. Barry Knapp, Analyst bei Barclays Capital, verweist auf den entgegengesetzten Effekt der Kollektivhilfe: Das riesige Paket habe das Ausmaß der Euro-Krise geradezu unterstrichen und damit die Märkte geschockt.
Bis zum Freitag rutschte der Euro auf bis zu 1,2390 $ ab und damit auf den niedrigsten Wert seit 18 Monaten. Die Devise hat seit Anfang Mai knapp 6 % an Wert verloren.
Die Aktienmärkte verbuchten nach den Hilfszusagen an klamme Euro-Staaten hingegen deutliche Gewinne - wenngleich die Begeisterung zum Wochenschluss wieder verschwand. Der Dax beendete die Woche mit einem Plus von knapp 6 % bei 6056 Punkten. Allerdings bescherte eine schwache Wall Street den deutschen Standardwerten am Feitag ein Tagesminus von 3,1 %.
Der Stoxx 50 legte im Wochenvergleich 5,4 % zu. In Übersee das gleiche Bild: Der Nikkei gewann 0,9 %, und der S&P 500 schloss 2,2 % fester.
Teil 2: Welche Richtung der Euro nimmt