Rund um den Globus verzeichneten die wichtigen Aktienindizes herbe Verluste. An der Wall Street sackte der Dow Jones um mehr als 600 Zähler oder 5,6 Prozent auf 10.810 Punkte ab und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit dem 4. Oktober 2010. Der Future auf den amerikanischen Leitindex verlor seit dem Xetra-Schluss 4,5 Prozent. Der technologielastige Nasdaq Composite kam mit Verlusten von 6,9 Prozent auf 2358 Punkte noch deutlicher unter die Räder. "Eine Abstufung durch S&P ist zwar erwartet worden, aber dass es so schnell kommt, hat geschockt", sagte ein Aktienexperte einer US-Adresse in London.
In Asien setzten sich die Verkäufe fort. Auf die Stimmung drückten vor allem neue Inflationszahlen aus China. Demnach stieg der Preisanstieg im Juli mit 6,5 Prozent unerwartet deutlich und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren. An den Aktienmärkten erholten sich die Indizes bis zum Handelsschluss dennoch ein wenig von den Tagestiefs. In Tokio gab der Nikkei-Index um 2,6 Prozent auf 8861 Zähler nach. Der chinesische Shanghai Composite fiel um 0,3 Prozent auf 2520 Punkte.
Pessimistisch für den heutigen Handelstag stimmen nicht nur die schweren Verluste an den Welt-Aktienmärkten, sondern auch die anhaltende Flucht in vermeintlich sichere Häfen. Der Goldpreis markierte im asiatischen Handel erneut ein Rekordhoch und steht aktuell 1,7 Prozent höher bei 1750 Dollar je Feinunzen. In der Spitze stieg das Edelmetall auf 1772 Zähler. "Die Märkte sind sehr besorgt, dass es zu einer globalen Rezession kommen kann", sagte Natalie Robertson, Analystin bei ANZ. Silber scheint hingegen aufgrund seiner im Vergleich zu Gold größeren Konjunkturabhängigkeit derzeit weniger gefragt - die Notierung steht mit 38,8 Dollar deutlich unter dem Hoch vom vergangenen Donnerstag von 42,25 Dollar. Erneut Richtung Süden geht es für den Ölpreis. Aus Furcht vor einer Rezession steht Brent-Öl 4,8 Prozent niedriger auf einem Sechs-Monats-Tief bei 98,74 Dollar je Barrel. "Das ist Panik. "Die Nachfrage ist in den vergangenen Tagen nicht zurückgegangen. Es gibt lediglich Spekulationen, dass sie es wird", sagte ein Händler.
Auch an den Rentenmärkten setzt sich die Tendenz der vergangenen Tage fort. "Es sieht ganz danach aus, als ob sich der Rückgang der Renditen fortsetzen kann", schreiben die Experten der HSH Nordbank und sehen die Handelsspanne für den Bund-Future heute zwischen 132,80 und 134,80 Punkten.
Ein ähnliches Bild zeigt sich an den Devisenmärkten. Die angeschlagenen Währungen Euro und Dollar werden verkauft, während Yen und Schweizer Franken gefragt bleiben. Der Dollar fiel gegenüber der japanischen Währung bis auf 77 Yen zurück und nähert sich damit wieder dem Rekordtief aus dem März 2010.
Im Blickpunkt steht heute das Treffen der amerikanischen Notenbank. Eine Straffung der Geldpolitik gilt angesichts der Entwicklung an den Weltmärkten als so gut wie ausgeschlossen. Zunehmen mehr Börsianer rechnen eher damit, dass die Fed noch eine dritte Runde der Stützungsmaßnahmen (QE 3) bekannt geben wird, um die US-Wirtschaft anzuschieben.
Auch die Maßnahmen der EZB werden zunehmend kritisch bewertet. Nach Einschätzung von Fondsmanagern muss die Europäische Zentralbank mindestens 100 Mrd. Euro in den Ankauf von spanischen und italienischen Staatsanleihen stecken, um die Märkte zu beruhigen. Nach Einschätzung von Händlern kaufte die Notenbank am Montag Bonds für zwei Mrd. Euro auf.
DAX im Fokus:
Der DAX wird kurz vor Handelsbeginn um 1,5 Prozent tiefer bei 5834 Punkten erwartet. FMC und Deutsche Post werden mit leichten Aufschlägen erwartet, während bei Infineon und der Deutschen Bank erneut deutliche Verluste zu befürchten sind.
Nachrichten von Unternehmensseite stehen angesichts der sehr angespannten Lage an den Finanzmärkten im Hintergrund. Im DAX könnte lediglich das Zahlenwerk von RWE für Gesprächsstoff sorgen. Wegen des Atomausstiegs brach das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im ersten Halbjahr um 25 Prozent auf 4,6 Mrd. Euro ein. Auch der Umsatz lag mit 27,5 Mrd. Euro leicht unter den Erwartungen. Für 2011 rechnet der Konzern nun mit einem Rückgang des Ebitda um 20 statt bislang 15 Prozent.
Teil 2: Der Ausblick auf die bedeutendsten Termine des Tages