Nach dem leichten Rücksetzer vom Vortag sehen Banker den deutschen Leitindex am Morgen wieder 0,3 Prozent fester bei 6.769 Punkten. Die Marktteilnehmer sind sich einig, dass die Europäische Zentralbank nun liefern muss, nachdem EZB-Chef Mario Draghi mit seinen Euro-stärkenden Aussagen in der Vorwoche eine Hoffnungsrally von in der Spitze gut acht Prozent ausgelöst hatte. Die "Süddeutsche Zeitung" bestärkt die Anleger aktuell in ihren hohen Erwartungen. Deren Bericht zufolge soll es eine konzertierte Aktion der EZB mit dem künftigen Rettungsschirm ESM geben, die Käufe von spanischen und italienischen Staatsanleihen am Primär- und Sekundärmarkt vorsieht.
Verhaltene Aussagen der Notenbank Fed über Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten haben die US-Börsen am Mittwoch belastet. Investoren seien enttäuscht darüber gewesen, dass die Fed keine entschiedene Unterstützung der Wirtschaft zugesichert habe, hieß es von Börsianern.
Indes stärkte am Morgen die Ratingagentur Standard & Poor's Deutschland in der Schuldenkrise den Rücken. Sie bestätigte am frühen Morgen die Spitzenbonität von "AAA".
Vor dem EZB-Zinsentscheid und der Pressekonferenz am frühen Nachmittag gilt es für die Anleger zunächst wieder zahlreiche Quartalsberichte zu bewerten - darunter die Deutsche Post, Adidas, Lufthansa und Beiersdorf. Aus den USA kommen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die vor dem großen Arbeitsmarktbericht am Freitag besonderes Interesse finden dürften.
Dank der Fußball-EM und einer starken Nachfrage aus den Schwellenländern hat Adidas im zweiten Quartal unerwartet kräftig zugelegt. Anders als der kleinere Rivale Puma, der Mitte Juli die Märkte mit einer Gewinnwarnung schockte, hob der Konzern am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahresbilanz seine Prognose für den Nettogewinn sogar an. Der Überschuss soll nun auf einen Rekordwert von 770 bis 785 Mio. Euro steigen. ein Plus von 15 bis 17 Prozent. Der Umsatz wird weiterhin währungsbereinigt um etwa zehn Prozent höher erwartet. Im zweiten Quartal legten die Erlöse um knapp 15 Prozent auf 3,5 Mrd. Euro zu. Das Betriebsergebnis kletterte um gut 17 Prozent auf 256 Mio. Euro. Unter dem Strich verbesserte sich der Überschuss nach Anteilen Dritter um rund 18 Prozent auf 165 Euro. Damit übertraf Adidas die Erwartungen der Analysten.
Die Deutsche Post schraubt nach einem überraschend starken zweiten Quartal die Erwartungen für das laufende Jahr herauf. Obwohl eine teure Umsatzsteuernachzahlung zwischen April und Juni am Gewinn zehrte, rechnet der Konzern für 2012 nun mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 2,6 bis 2,7 Mrd. Euro. Bisher hatte die Prognose bei 2,5 bis 2,6 Mrd. Euro gelegen. Während US-Konkurrent UPS seine Gewinnerwartungen vergangene Woche gekappt hatte, bleibt die Post bei ihrer Prognose. Im zweiten Quartal steigerte der Konzern den Umsatz dank eines starken Wachstums der DHL-Bereiche in Asien um gut sieben Prozent auf 13,7 Mrd. Euro. Das EBIT ging wegen der Umsatzsteuernachzahlung zwar um gut drei Prozent auf 543 Mio. Euro zurück. Dank Sondererlösen fiel der Rückgang aber schwächer aus als erwartet. Der Überschuss sank um knapp 28 Prozent auf 201 Mio. Euro.
Drägerwerk hat im zweiten Quartal wegen Umstrukturierungskosten weniger verdient als ein Jahr zuvor. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sei auf 47,0 Mio. Euro zurückgegangen, teilte der Medizintechnik-Hersteller am Donnerstag mit. Der Umsatz kletterte dank eines schwächeren Euro von 533,1 Mio. Euro im Vorjahr auf 543 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 27,7 Mio. Euro, nach 30,4 Mio. Euro im zweiten Quartal 2011. Mit seinen Kennzahlen verfehlte der Konzern die Erwartungen der Analysten. Den Ausblick für das Gesamtjahr bestätigte Dräger dennoch.
Morphosys hat im zweiten Quartal auf die Kostenbremse gedrückt. Der Verlust habe sich von 3,8 Mio. Euro im Vorjahr auf ein Minus von 400.000 Euro verringert, teilte das Biotechunternehmen mit. Der operative Verlust beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) reduzierte sich von 6,1 Mio. Euro im Vorjahr auf ein Minus von 1,1 Mio. Euro. Der Umsatz sank auf 16,9 Mio. Euro, nachdem im Vorjahr noch 18 Mio. Euro ausgewiesen wurden. Unternehmenschef Simon Moroney und Finanzchef Jens Holstein zeigten sich zuversichtlich und bestätigten die Prognose für 2012.
Fuchs Petrolub bleibt trotz Eurokrise auf Rekordkurs. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) sei im ersten Halbjahr um 8,9 Prozent auf 145,4 Mio. Euro geklettert, teilte der Schmierstoff-Hersteller am Donnerstag mit. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 101,9 Mio. Euro nach 91,6 Mio. Euro im Vorjahr. Der Umsatz kletterte in den ersten sechs Monaten um 11,2 Prozent auf 910 Mio. Euro. Den Ausblick auf das Gesamtjahr bestätigte das Unternehmen.
Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten haben BNP Paribas weniger belastet als befürchtet. Der Überschuss der Großbank sank im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 1,85 Mrd. Euro, wie der Konzern am Donnerstag mit. Analysten hatten mit einem stärkeren Rückgang gerechnet. Der Vorsteuergewinn im Investmentbanking brach zwar um 40 Prozent ein. Ein stabiles Privatkundengeschäft sowie ein Sondereffekt aus der Neubewertung der eigenen Schulden machten dies aber zu einem Großteil wett.
Toyota muss erneut Fahrzeuge in die Werkstätten zurückrufen. Bei weltweit 1,5 Mio. Wagen sollten die Spurstangen an der Hinterachse überprüft werden, kündigte der Konzern am Mittwoch an. In Deutschland seien rund 70.000 Autos der Modelle RAV4, Avensis T27 sowie Auris D-CAT betroffen. In den USA, dem größten Auslandsmarkt von Toyota, sind rund 778.000 Wagen betroffen, hauptsächlich RAV4 der Modelljahre 2006 bis 2011, aber auch 18.000 Lexus HS 250h des Modelljahres 2010. Auch hier werden die Besitzer benachrichtigt.
Quelle: Agentur
Teil 2: Der Ausblick auf die bedeutendsten Termine des Tages