Warum Air Berlin am Mittwochabend nach Handelsschluss seine Quartalszahlen vorab publiziert, bleibt deren Geheimnis. Dem Pressetext ist nicht zu entnehmen, warum er noch vor dem Berichtstermin am 15. August erscheinen musste. Die Zahlen lagen im Rahmen der Erwartungen. Dies zeigt, wie gering die Erwartungen mittlerweile sind, was sich auch in den Empfehlungen widerspiegelt: eine Halten-, 18 Verkauf- und keine Kaufempfehlung.
Fangen wir bei der beängstigendsten Zahl des zweiten Quartals an: Das Eigenkapital schrumpfte seit Jahresbeginn von 254 auf 101 Mio. Euro. Es wäre jedoch schon komplett aufgebraucht worden, hätte im ersten Quartal Etihad nicht 73 Mio. Euro eingeschossen und hätten Aktivaverkäufe nicht 22 Mio. Euro Gewinn in die Kassen gespült, und wäre im zweiten Quartal keine Steuergutschrift von 16 Mio. Euro verbucht worden. Zu diesem Übel gesellen sich Nettoschulden von 812 Mio. Euro, die durch außerbilanzielle Leasingverpflichtungen in Höhe von 3 Mrd. Euro ergänzt werden. Als Konzernlenker braucht man da starke Nerven, um mit der Kiste weiterzufliegen.
Die Passagiere scheint das nicht zu stören, ihre Zahl ging in den ersten sieben Monaten nur um 5,4 Prozent zurück, obwohl Air Berlin die Kapazität um 7,2 Prozent stutzte. Auch die Wirtschaftsprüfer zeigen noch keine Nerven. Die Bilanz des ersten Quartals glänzte nicht nur mit 0,4 Mrd. Euro an immateriellen Vermögenswerten, sondern auch mit 0,2 Mrd. Euro an latenten Steueransprüchen. Ein kecker Posten, nach vier Jahren Nettoverlusten, die sich laut Konsens bis 2015 noch fortsetzen sollen.
Wieso notiert die Aktie dennoch bei zweimal Buch? Übernahmefantasie kann es nicht sein. Dagegen sprechen die schlechte Bilanz und die Gefahr, die Landerechte zu verlieren. Ryanair-Boss O'Leary hat der Branche bei unvermindert hohem Kerosinpreis einen kalten Winter mit einigen Pleiten vorausgesagt. Um nicht dazuzugehören, wird Air Berlin seine Partner, die am weitläufigen Netz ja Interesse haben, um weiteres Fremdkapital anpumpen müssen. Und die Börse darf das Eigenkapital liefern.