Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Der Europäer stutzt immer noch, wenn er von US-Firmen hört, die trotz berstenvoller Kassen Kredite aufnehmen oder Anleihen begeben. Um dann Dividendenausschüttungen oder in bar gezahlte Akquisitionen vorzunehmen. Der Grund für die Fremdmittelaufnahme trotz hoher Nettoliquidität sind im Ausland angefallene Gewinne, die erst bei Rückführung nach Amerika versteuert werden müssen.
Angesichts leerer Kassen, einer hohen Arbeitslosenquote und einer geringen Bereitschaft der Firmen, im Inland zu investieren, sind diese Auslandsmilliarden ein regelmäßiges Wahlkampfthema. Schließlich schlummern 1700 Mrd. Dollar im Ausland, mit denen man in den USA so einiges bewirken könnte.
Mehr zu: Das Kapital, Premium
Doch auf die bei der Repatriierung anfallende Steuer haben die sich sonst so patriotisch gebenden Firmen wenig Lust. Sie fordern eine Steueramnestie wie bereits 2004, welche immerhin 39 Prozent der Auslandsgelder zurückholte. Bei den US-Wählern stößt dies auf wenig Verständnis.
Kein Wunder, erzielten die US-Kapitalgesellschaften 2011 eine am Nationaleinkommen gemessene Nachsteuerrendite von 11,5 Prozent - was fast dem Doppelten des Schnitts seit 1950 entspricht. Aber die Auslandsgeldhorter wollen ihr mühsam aufgebautes Wissen zur Optimierung der Steuerlast mittels komplexer Systeme aus Transferpreisen, Kostenumlagen und Lizenzierungen - über Irland und die Niederlande - nicht verlieren. Hilft es ihnen doch, rund ein Drittel weniger Steuern als US-zentrische Firmen zu zahlen.
Angesichts der bevorstehenden Wahl und nur vager Aussagen beider Kandidaten hat JP Morgan dieses Thema nun aufgegriffen und zwei Aktienkörbe zusammengestellt. Den ersten aus US-lastigen Firmen mit hoher Steuerlast, den zweiten aus den größten international agierenden Firmen mit geringer Steuerlast und voller Auslandskasse. Dieser Korb besteht aus 46 Firmen, deren Auslandsgeld im Schnitt 66 Prozent ihrer Liquidität und 33 Prozent ihrer Börsenkapitalisierung ausmacht. Apple ist auch hier mit 74 Mrd. im Ausland geparkten Dollar spitze. Eine Einladung an jeden neuen Präsidenten.