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Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   25.05.2008, 20:52 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Als ob man getäuscht werden wollte  

Dass die US-Statistik ganze Arbeit geleistet hat, sieht man schon an der Bewertung des Aktienmarktes. Als die Inflationserwartungen der Verbraucher zum letzten Mal bei über fünf Prozent lagen, notierte der S&P 500 mit einem einstelligen KGV. Nicht so dieser Tage.
Man kann einen Teil des Volks die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk eine Zeit lang, doch man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen, zitiert Bill Gross von Pimco in seinem jüngsten Anlageausblick Abraham Lincoln. Darin wundert sich der Rentenspezialist über den im Vergleich zum Rest der Welt eigentümlichen Verlauf und die Höhe der US-Inflation in Zeiten von Globalisierung und Dollar-Verfall. Und wie schon vor ein paar Jahren spricht er davon, dass die offizielle Inflation die tatsächliche aufgrund der hedonischen Messung, der Schätzung von kalkulatorischen Mieten sowie des Gewichtungsverfahrens mindestens um einen Prozentpunkt unterschätzt, womit das Realwachstum entsprechend überschätzt würde.
Zwischen den Zeilen ist unschwer zu erkennen, dass er in Wirklichkeit von weit mehr ausgeht. Dass inflationsgekoppelte US-Anleihen, die ja an den offiziellen Verbraucherpreisindex gebunden sind, auf zehn Jahre bloß eine Rendite von 1,3 Prozent abwerfen, hat da schon Charme.
Denn in der Tat scheint es seltsam, wenn in den USA eine Inflation von 3,9 Prozent errechnet wird, während der Dollar um neun Prozent zum Vorjahr fällt und die Inflation im Rest der Welt spürbar anzieht (laut Pimco auf sieben Prozent). Im Euro-Raum wurde im April eine Preissteigerung von 3,3 Prozent vermeldet - bei einer Aufwertung des Euro um acht Prozent. Dass die Fed in dem von ihr bevorzugten Inflationsmaß, dem Konsumdeflator ohne Lebensmittel und Energie, auch noch jene Güter herausrechnet, deren Preise zu einer immer größeren Belastung für die Verbraucher werden, ist, gelinde gesagt, haarsträubend.

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