Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Mit relativ guten Quartalszahlen, die die Börse mit einem Plus von 16 Prozent feierte, erlöste Amazon seine Anhänger ein wenig von ihrer Pein. Denn die Firma verlangt ihnen einiges ab, wie allein die Zahlen zeigen: Der Quartalsumsatz stieg um 36 Prozent, doch das operative Ergebnis sank um 40 Prozent zum Vorjahr, die Marge beträgt nun magere 1,5 Prozent.
Und das bei einer Firma, die den Online-Einzelhandel dominiert. Doch Aktionäre und Analysten sehen die Zahlen entspannt, was folgende ungewöhnliche Konstellation verdeutlicht: Obwohl die Umsatzschätzungen kontinuierlich steigen, sinken die Ergebnisschätzungen seit zwei Jahren unablässig.
Dennoch mögen die Analysten den Wert, der sich zudem relativ zum Markt gut behauptet, trotz eines KGVs von 176 für das laufende Jahr - das KUV von 1,6 sieht da fast schon zivil aus. Der gängige Vorwurf, die Börse schaue stets nur auf das nächste Quartalsergebnis, verfängt da jedenfalls nicht.
Allerdings brauchen Amazons Fans nicht nur Geduld, sondern auch Fantasie. Denn einige Fragen kann nur der Vorstand beantworten, was er aber öffentlich nicht tut: Soll es bei den ruinös billigen Versandkosten bleiben, oder dient das vorerst nur der weiteren Markteroberung?
Immerhin wächst Amazons Anteil am wiederum wachsenden Onlinehandel ja weiter. Gilt mittlerweile die lukrative Vermarktung von Produkten dritter Anbieter als wahres Zugpferd? Wie viel der hohen Investitionen - stolze 14,4 Prozent des Umsatzes - fließen in den Ausbau des Stammgeschäfts und wie viel in die neueren Geschäfte - Kindle, Cloud, Digital Content? Wird Amazon in der jetzigen Aufstellung Gewinner oder Verlierer der Verschiebung der Medienkäufe von physisch auf digital? Immerhin hat sich Kindles Anteil an Android-Tablets in den USA innerhalb eines Quartals auf 54 Prozent verdoppelt.
Letztlich geht es bei Amazon, wie auch bei Google , Apple und Facebook um die Frage, ob die bald dominierende Vermarktung von Medieninhalten und Software über das Web unter wenigen Großkonzernen aufgeteilt bleiben wird. Eine fürwahr spannende Frage.