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Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   17.07.2012, 20:30 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: An der Börse bleibt der Verbraucher Gewinner  

Premium Den Verbrauchern in den Industrieländern geht die Puste aus. Doch Konsumaktien laufen und laufen. Selbt bei Gewinnwarnungen sehen die Anleger nur noch weg.

Verteilungsschieflage, Reallohnverfall, Arbeitslosigkeit, Überschuldung, Austerität? Nichts dergleichen, wenn es nach der Börse geht. Wie so oft über die vergangenen Jahre werden auf den Aktienmärkten Konsumtitel gesucht, als ob es morgen keine mehr gäbe. Von den zehn Hauptsektoren im S&P Europa 350 konnten im bisherigen Jahresverlauf nur zwei mit einem zweistelligen Anstieg aufwarten: der stabile (Nahrungsmittel/Tabak, Körperpflege, Lebensmitteleinzelhandel/Drogerien) und der zyklische (Autos, Haushaltsgeräte, Reise/Freizeit, Medien, Einzelhandel) Konsum.

Auch in Amerika ist der konjunktursensible Konsum zweistellig im Plus, derweil der stabile Konsum mit einem Zuwachs von acht Prozent über dem Marktdurchschnitt liegt. In der EU sind die realen Konsumausgaben der privaten Haushalte übrigens auf dem Stand von vor fünf Jahren, in den USA liegt der Anstieg des Konsums mit 3,6 Prozent unterhalb des Wachstums der Bevölkerung in dieser Zeit (4,3 Prozent). Derweil muss auch Ben Bernanke einräumen, dass die jüngsten US-Wirtschaftsdaten ziemlich enttäuscht haben, sodass vom spätzyklischen Arbeitsmarkt - und damit von der Lohnentwicklung her - demnächst wohl keine allzu großen Impulse zu erwarten stehen.

Konsum relativ zum MSCI Europa   Konsum relativ zum MSCI Europa

Natürlich wetten die Anleger auf die Schwellenländer. Doch von den Konjunkturrisiken in Ländern wie China oder Brasilien abgesehen bleiben die entwickelten Länder der größere Konsummarkt. Laut IWF werden die reicheren Länder 2012 ein nominales BIP von 44.823 Mrd. Dollar erzielen, die Schwellenländer kommen auf 27.074 Mrd. Dollar. Zudem spielen die Investitionen in den Schwellenländern eine größere Rolle, und laut IWF wird die Investitionsquote noch weiter steigen.

Dennoch kostet der stabile Konsum im MSCI Europa das 18,5-Fache des Gewinns der vergangenen vier Quartale, während der Investitionsgüter liefernde Industriesektor mit einem KGV von 13 notiert. Im Konsumsektor hat es dieses Jahr bereits Gewinnwarnungen gehagelt. Doch wie es so ist, wenn man mit dem Feuer spielt, schauen die Anleger da lieber weg.

  • Aus der FTD vom 18.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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