Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Ein Traum für Apple-Fans, welche nach wie vor die Mehrheit - 48 von 54 empfehlen die Aktie zum Kauf - unter den Brokern stellen: Die Firma liefert relativ schwache Quartalszahlen und einen schwachen Ausblick auf das laufende Quartal. Beides kann jedoch schnell erklärt werden: Der Vorratsabbau in China und ein kriselndes Europa drückten auf das abgelaufene Quartal, während die Kaufzurückhaltung beim iPhone aufgrund des anstehenden Modellwechsels das laufende Quartal schwächt. Deshalb stelle der erwartete und eingetretene Kursrutsch der Aktie auf jeden Fall eine gute Kaufgelegenheit dar. Oder in den Worten der besonders euphorischen Analysten von Morgan Stanley: Dies ist wahrscheinlich die letzte Kaufgelegenheit vor dem Start des iPhone 5. Goldman Sachs pflichtet dem bei und warnt Apple-Bären, dass ihr Glück von kurzer Dauer sein wird. Denn, so wissen fast alle Broker, Apple ist ja eine Weihnachtsquartalsgeschichte.
Das stimmt, zuletzt trug dieses Quartal 40 Prozent zum operativen Jahresgewinn bei. Auch der Kaufstreik vor dem Modellwechsel ist ein bekanntes Phänomen. Es gibt Schätzungen, dass im vierten Quartal 2012 50 Millionen iPhones verkauft werden, im Vergleich zu den 26 Millionen zuletzt.
Aber so einfach ist die Lage nicht, auch wenn man Quartalszahlen nie überbewerten sollte. Zunächst ist fraglich, ob das makroökonomische Bild sich im zweiten Halbjahr so aufhellt, wie es viele Analysten hoffen. Apple jedenfalls widmete sich in dieser Analystenkonferenz deutlich länger dem Thema Weltwirtschaft als sonst. Höchste Zeit, glaubten einige doch bereits, Apple agiere losgelöst von ihr. Das andere Thema ist die Marge. Ihre Schwäche im jüngsten Quartal und die von Apple prognostizierte im laufenden Quartal - rund vier Prozentpunkte unter Konsens - ist frappant und nicht allein dem Modellwechsel zuzuschreiben. Sowohl bei iPhone als auch iPad wurde ein höherer Anteil der günstigeren Modelle verkauft. Ob das Apple dazu bringt, die Preise am höheren Ende anzupassen, auch als Reaktion auf die Flut günstigerer Wettbewerbsmodelle, ist die entscheidende Frage.
Auch wenn die Analysten betonen, dass der langfristige Trend stimmt und diese zwei Quartale Ausnahmen darstellen, ein Trend wurde nun bereits gebrochen: Erstmals seit drei Jahren wurde nach einem Quartalsbericht die Konsensgewinnschätzung für das laufende und das nächste Geschäftsjahr gesenkt. Der Druck auf den Weihnachtsmann steigt.