FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Marktberichte Aktien » Arbeitsmarktaufschwung an den Familienvätern vorbei
  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   06.02.2011, 20:02 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Arbeitsmarktaufschwung an den Familienvätern vorbei

Stellenaufbau mau, Arbeitslosenquote geplumpst. Ja, die US-Januar-Beschäftigungsdaten sind schwer zu interpretieren. Das allerdings nur für jene, die das Drama nicht sehen wollen.
Das Wetter, statistische Ungereimtheiten, zugrunde liegende Stärke. Wenn man die abgehobenen Analysen mancher Ökonomen zum US-Arbeitsmarkt liest, könnte man richtiggehend wütend werden. Ja, der für den Januar vermeldete Anstieg der nichtagrarischen Beschäftigung um lediglich 36.000 Stellen spiegelt vermutlich nicht den "wahren" Zustand des US-Arbeitsmarkts wider, und ja, manche Indizien weisen tatsächlich auf eine spürbare Besserung über die kommenden Monate hin.
Und die Volkswirte sinnieren über das Wetter   Und die Volkswirte sinnieren über das Wetter
Aber holen wir etwas aus, um die zunehmende Euphorie um die amerikanische Wirtschaft einzuordnen: In den USA gilt als beschäftigt, wer in der Erhebungswoche mindestens eine bezahlte Stunde gearbeitet hat, wer in der eigenen Firma werkelt oder wer mindestens 15 Stunden unbezahlt im Familienbetrieb aushilft. Bei temporärer Abwesenheit von der Arbeit wegen Urlaubs, Krankheit, schlechten Wetters, Streiks et cetera gilt man ebenfalls als beschäftigt, aber das sei ebenso nebenbei bemerkt wie der Umstand, dass in der Umfrage unter den privaten Haushalten jeder Beschäftigte nur einmal gezählt wird, auch wenn er zwei Stellen hat. Wichtig ist, dass die statistischen Anforderungen an die Diagnose eines Beschäftigungsverhältnisses nicht sonderlich hoch sind, um es gelinde zu formulieren.
Nun, und nach dieser Definition haben derzeit gerade mal 81,2 Prozent der Männer im Alter zwischen 25 und 54 Jahren eine Beschäftigung. Das ist jenes Alter, in dem Väter ihre Kinder zu versorgen haben. Zur Einordnung dieses "wahren" US-Arbeitsmarktdramas hilft ein Blick auf die Grafik.
Unterdessen wurde die per Firmenumfrage festgestellte nichtagrarische Beschäftigung im Rahmen der jährlichen Generalrevision der Daten im Dezember um 483.000 Stellen oder 0,4 Prozent nach unten korrigiert. Dreimal darf der geneigte Leser raten, wo die Revisionen am stärksten ausfielen. Ausgerechnet im produzierenden Gewerbe - Industrie, Bergwerke, Bau -, wo die Beschäftigung im Dezember nach den neuesten Angaben um 1,4 Prozent unter dem zuvor vermuteten Niveau lag. Dieser Sektor steht per Januar 2011 noch für 13,7 Prozent der nichtagrarischen Beschäftigung - gegenüber 18,5 Prozent im Januar 2001. Viel Spaß bei der Verdopplung der (realen?) Exporte binnen weniger Jahre.
Derweil sind die Anleger seit der fantastischen Rede von Helikopter-Ben Ende August dermaßen aus dem Häuschen, dass sie die Rohstoffpreise seither um 28 Prozent (Angebot-Nachfrage-Bedingungen, he?), die Aktienkurse (das Vermögen der Reichen) um 25 Prozent und die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen von 2,5 auf 3,6 Prozent nach oben getrieben haben. Die Zinsen sind damit übrigens wieder höher als das nominale US-BIP-Wachstum von annualisierten 3,4 Prozent im vierten Quartal. Jubel, Trubel und Heiterkeit also an den Märkten, zumal Barack Obama jetzt für niedrigere Firmensteuersätze plädiert, während die realen Stundenlöhne einfacher Beschäftigter auf dem Niveau der frühen 70er verharren. Fragt sich nur, wann die Menschen in New York oder Los Angeles auf die Straßen gehen, um Gerechtigkeit einzufordern.
  • Aus der FTD vom 07.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6339,94  [24.05 +0,38%
  Euro Stoxx 50 2161,87  [5.35 +0,25%
  Dow Jones 12454,83  [-74.92 -0,60%
  Nasdaq Composite 2837,53  [-1.85 -0,07%
  Euro 1,25124 USD  [-0.00225 -0,18%
  Brent-Öl 106,83 USD  [0.27 +0,25%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
  • Kursverluste, Ärger mit Behörden und der Nasdaq: Das Börsenparkett ist zu glatt für Facebook. Die Internetstars aus Kalifornien sehen am Aktienmarkt aus wie Anfänger. Damit es Ihnen nicht so geht: Testen Sie Ihr Börsenwissen.

    Bei einem Verlust von 30 Prozent - wie stark müsste der Aktienkurs steigen, damit Sie wieder beim Anfangsniveau angelangt sind?

    Börsen-Quiz: Machen Sie es besser als Facebook

    Alle Tests

  14.03. Quiz Kennen Sie sich aus im DAX?

Wer seit Jahresbeginn auf Aktien setzt, kann sich bislang über einen satten Gewinn freuen. Mischen Sie mit bei der Rally - im Quiz von FTD.de. Testen Sie ihr DAX-Wissen.

Seit wann gibt es den DAX?

Quiz: Kennen Sie sich aus im DAX?

Alle Tests

 



AKTIEN + MÄRKTE

mehr Aktien + Märkte

DERIVATE

mehr Derivate

INVESTMENTFONDS

mehr Investmentfonds

IMMOBILIEN

mehr Immobilien

ALTERNATIVE ANLAGEN

mehr Alternative Anlagen

FINANZCHECK

mehr Finanzcheck

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote