Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Friede, Freude, Halbleiterausrüstung. Oder wie UBS schreibt: kooperativer Kapitalismus in seiner schönsten Form. Vorstände und Analysten sowohl von Intel als auch von ASML waren ganz begeistert vom komplizierten Kooperationsplan der beiden.
Dabei erschließt sich die Logik des Einstiegs von Intel bei ASML nicht sofort: Intel kauft zu Marktpreisen bis zu 15 Prozent der Aktien seines Zulieferers ASML für 2,5 Mrd. Euro. Darüber hinaus subventioniert Intel das F&E-Budget von ASML über fünf Jahre mit 830 Mio. Euro. Zudem verpflichtet sich Intel, frühzeitig die neuen Maschinen zu ordern. Im Gegenzug bekommt Intel: keine Stimmrechte und keine bevorzugte Behandlung als Kunde. Klingt, als säße ASML am sehr viel längeren Hebel, insbesondere da Intel mit diesem Schritt den Holländern eine Monopolstellung bei der Lithografie eingesteht. Entsprechend stürzte die Aktie von Nikon , die auch mal von Intel unterstützt wurden.
Dennoch ist der Schritt aus Intels Sicht nachvollziehbar: Der Wechsel auf die neuen Technologien (450-Millimeter-Wafer und EUV) wird dadurch um zwei Jahre beschleunigt - die Kostenersparnis liegt bei über 30 Prozent. Das Aktienpaket sichert Intel einen Teil des durch ASMLs noch stärkere Marktstellung entstandenen Aufwärtspotenzials.
Aber ASMLs Logik? Untergräbt die Firma nicht ihre preissetzende, starke Marktposition durch die Eingliederung der Kunden? Außerdem werden die Eigenkapitalspritzen direkt an die Altaktionäre weitergeleitet, sodass nur die maximal 1,4 Mrd. Euro F&E-Unterstützung bleiben - auf fünf Jahre verteilt. Zum Vergleich: 2011 gab ASML 0,6 Mrd. Euro für F&E aus, hatte eine Nettomarge von 26 Prozent und hat seit 2005 3,3 Mrd. Euro an seine Aktionäre ausgeschüttet. An Geld mangelt es also nicht. Vielleicht nutzt ASML einfach die Gunst der Stunde, Risiko aus dem extrem zyklischen Geschäftsmodell zu nehmen: 2009 etwa plumpste der Umsatz auf ein Viertel des 2011er-Niveaus. Somit reizen die Holländer ihr Margenpotenzial vielleicht zugunsten höherer Sicherheit nicht voll aus. Nicht ganz unvernünftig.