Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Der Markt liebt sie, wir misstrauen ihnen. Aber spielen wir das Spielchen mal mit und werfen einen Blick auf die Stimmungsindikatoren des Ifo, die am Freitag neuerlich überzeugten. Bloomberg hat auf das überraschend gute Geschäftsklima im April ein schönes Zitat eines Bankers aus London gebracht: "Der Ifo ist ein Maß fürs Vertrauen (die Zuversicht der Firmen), und es hat eine unmittelbare Korrelation mit Vermögenswerten. Das Ausmaß des Vertrauens ist der wichtigste Faktor für die Märkte."
Aber sind die deutschen Firmen tatsächlich so zuversichtlich, wie sie tun? Wieso ist der Saldo der Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate dann um 21,1 Punkte unter dem Saldo der aktuellen Geschäftslage? So gesehen sind die Firmen pessimistischer als im April 2008, und was danach kam, wissen die Anleger ja hoffentlich noch.
Wichtiger ist eine andere Beobachtung. Dass sich im verarbeitenden Gewerbe die Nachfragesituation im Vergleich zum Vormonat neuerlich verschlechtert hat. Für das gesamte verarbeitende Gewerbe ist dieser Unterindikator nicht gerade beunruhigend schwach, unter anderem deshalb, weil er in der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen ganz nett zugelegt hat. Deutlich weniger rosig sieht es jedoch in der Metallerzeugung und -bearbeitung, in der Herstellung von Metallerzeugnissen, in der Herstellung von DV-Geräten, elektronischen und optischen Einrichtungen sowie in der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen aus. Auch im Maschinenbau und in der Chemie kann der Nachfrageindikator kaum bestechen. Eher skeptisch stimmen ferner die Erwartungen hinsichtlich der Bestelltätigkeit im Großhandel mit Vorprodukten.
Natürlich sind die einzelnen Ifo-Reihen sogar auf saisonbereinigter Basis mitunter sehr schwankungsanfällig, weshalb es sich verbietet, zu viel in sie hineinzulesen. Zudem ließen sich leicht auch hoffnungsvollere Aspekte hervorheben, etwa im Konsumbereich. Und dennoch bleibt es uns ein Rätsel, wie man auf Grundlage solcher Ifo-Daten gelassen auf die kommenden Quartale blicken kann.