Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Wer deutsche Nobelkarossen und eine gewisse Berechenbarkeit mag, scheint an BMW nicht vorbeizukommen. Zumal Daimler schon wieder restrukturiert und VW langsam unübersichtlich wird, bei einer Quasialleinherrschaft von Ferdinand Piëch.
BMW hat im dritten Quartal den Umsatz und das Ebit um 14 und das Nettoergebnis um 16 Prozent erhöht. Trotz weiterer Investitionsoffensiven hat der Autobauer im Industriegeschäft 1,3 Mrd. Euro freie Mittel in nur einem Quartal generiert. Das sind einmal mehr beeindruckende Zahlen aus München.
Für die man allerdings, nachdem BMW über drei Jahre den Sektor und Europas Börsen weit hinter sich gelassen hat, auch ordentlich was zahlen muss: Ein KGV von 8,5, ein KBV von 1,3 und ein KUV von ebenfalls 1,3 auf Basis der geschätzten 2012er-Zahlen sind angesichts des mauen Umfelds kein Schnäppchen. Die Konsensschätzungen - von 2012 bis 2014 soll der Umsatz um acht und das Nettoergebnis nur um 2,6 Prozent wachsen - sind zwar vorsichtig, allerdings nur, wenn man keinen ausgemachten Wirtschaftsabschwung befürchtet. Zudem spricht einiges dafür, dass die Automarge, die trotz eines Volumenzuwachses von zwölf Prozent bereits im dritten Quartal um 2,6 Prozentpunkte gegenüber Vorjahr sank, auch 2013 unter Druck bleiben könnte.
Richtig beängstigend ist jedoch BMWs Abhängigkeit von China. Ohne die dort von 2007 bis 2011 um 181.000 Einheiten gestiegenen Verkäufe wäre BMWs Absatz rückläufig gewesen. Der Umsatz hätte fast stagniert. Machte China 2007 noch 3,4 Prozent vom Absatz aus, sind es jetzt 18 Prozent - beim Ergebnis wohl mehr. Wer China mit westlichen Ländern gleichsetzt, hat damit kein Problem. Wer die auch jüngst dort wieder zutage tretende Willkür beobachtet, hingegen schon. Denn berechenbar wird diese Diktatur so schnell nicht.