Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Die Erleichterung ist groß. Zwischen März und Juni war die Aktie von Daimler um bis zu 31 Prozent gefallen, doch die von manchen befürchtete Gewinnwarnung für 2012 ist ausgeblieben.
Mit Blick auf die sehr schwache Nachfrage nach Autos und Lastern in Europa, die merkliche Abkühlung in China und die einknickenden Konjunkturindikatoren in Amerika - wo Volvo im zweiten Quartal von einem Rückgang der Lkw-Aufträge um 47 Prozent zum Vorjahr berichtet hatte - wäre das nur allzu verständlich gewesen. Doch im Großen und Ganzen ist Daimler bei der alten Prognose geblieben, womit sich die Schätzungen für den 2012er-Gewinn je Aktie in Höhe von 5,15 Euro zunächst kaum verändern dürften. Bei dem einhergehenden KGV von 7,3 wäre das Chance-Risiko-Verhältnis der Aktie wohl nicht schlecht, zumal über die kommenden Jahre ja mit deutlich zunehmenden Erträgen gerechnet wird.
Das Unbehagliche ist nur, dass Daimler seine Zuversicht just an einem Tag demonstriert, an dem das Ifo-Institut von einbrechenden Aufträgen im Sektor berichtet. Im Juli ist die wichtigste Ifo-Nachfragekomponente (Nachfragesituation gegenüber dem Vormonat) in der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen um sage und schreibe 24,3 Zähler auf minus 38,2 Saldenpunkte gesunken.
Diese Reihe ist trotz Saisonbereinigung sehr schwankungsanfällig, doch auch im gleitenden Drei-Monats-Durchschnitt gerechnet ist die Verschlechterung der Nachfrage frappierend. Daimler selbst vermeldet einen Rückgang der Lkw-Aufträge um 13 Prozent im zweiten Quartal. Die Anleger sollten sich besser nicht auf stabile Gewinnschätzungen verlassen, denn das zweite Halbjahr ist noch lang.