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Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   30.03.2011, 19:16 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Das unerträgliche Geheule der Banken

Die Branche trifft sich grad in Berlin und warnt gewohnt wortreich vor Regulierungsbürden, die ihnen das Geschäft erschweren. Doch ist nicht genau das der Sinn neuer Regeln, künftige Krisen zulasten heutiger Bankgewinne zu vermeiden?
Natürlich ist Auto fahren mit drei Promille keine schöne Sache, wir verurteilen dies scharf. Doch Promillegrenzen zu erhöhen wäre nicht zielführend. Die Rechte des Autofahrers würden beschnitten. Der Umsatz der Spirituosenbranche wäre gefährdet.
Vielleicht muss man zu so einer abstrusen Argumentation greifen, um die fast ebenso schwachsinnige Rhetorik der Banker zu illustrieren. Es geht dabei um die Ablehnung von Reformen mit der Begründung, damit würde ein bestehender Zustand gefährdet. Allerdings ein Zustand, der ja gerade der Mehrheit der Gesellschaft als nicht schützenswert gilt. Und genauso wenig, wie die Rauschbefriedigung geschützt werden muss, muss dies der Status quo des Geschäftsmodells der Banken, ihre Ertragsstärke und ihr Wachstumsdrang. Doch genau in diese Richtung argumentiert die Branche.
Aktuell hat sie dafür auf dem am Mittwoch gestarteten Deutschen Bankentag wieder eine Plattform. Erneut kommen die kecksten Worte von Josef Ackermann . Dessen Verdienste als Deutsche-Bank-Chef erkennen wir ja an, doch als Sprachrohr der privaten Bankenbranche hören wir ihn ungern. Gewohnt warnt er vor drohender Überregulierung und den strukturellen Defiziten in Deutschland. Und bringt dann ebenso zuverlässig das Totschlagargument: Könnten die Privatbanken nicht genug verdienen, müssten vor allem deutsche Bürger und Mittelständler unter Kreditentzug oder -verteuerung leiden.
Kursinformationen und Charts
  Barclays 181,7 GBp  [-3.6 -1,94%
  BNP Paribas 26,58 EUR  [-0.09 -0,34%
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Zunächst zum Standort Deutschland: Dass dieser strukturell kaputt sei, läge an der fehlenden Gewinnorientierung wichtiger Marktteilnehmer, klagt er. Soso. Im Jahr 2010 fuhren die Sparkassen 4,5 Mrd. Euro und die Volks- und Raiffeisenbanken 4,3 Mrd. Euro Vorsteuergewinn ein. Und wie unattraktiv sie den deutschen Markt finden, kann er auf der Tagung ja mal die Kollegen von Barclays , BNP , ING-Diba  oder Santander  fragen. Letztere sagen ihm bestimmt auch gern, wie man die Aufwandsquote von über 80 auf rund 40 Prozent halbiert. Auch könnte er fragen, ob Kunden in strukturell "gesunden" Märkten wie England oder Frankreich wirklich zufriedener sind als seine deutschen.
Die nächste zweifelhafte Forderung der Banker betrifft die Kreditverfügbarkeit. Sollten die Staaten tatsächlich die Regulierungsbürden möglichst gering halten, damit auch weiterhin jeder Kunde zu unwiderstehlichen Konditionen an einen Kredit kommt? War denn diese Angebotsflut nicht nur für US-Subprime, sondern auch für einen Großteil der Probleme der Euro-Peripherieländer verantwortlich - unter Mitschuld auch der Zentralbanken?
Politiker, Regulierer und Journalisten sollten das Geheule der Banker um existenzbedrohende Regulierungskosten so lange ignorieren, wie diese ein Vielfaches des Durchschnittseinkommens kassieren - bei überschaubarer Erbringung von Mehrwert.
00:21:52 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Barclays 181,7 GBp   -1,94%  -3.6
BNP Paribas 26,58 EUR   -0,34%  -0.09
ING 4,804 EUR   -0,12%  -0.006
Banco Santander 361 GBp   -0,55%  -2
  • Aus der FTD vom 31.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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