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  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   31.07.2008, 21:52 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Das US-BIP macht einen verrückt  

Die Firmen rund um die Welt haben uns längst verraten, wie es in den USA läuft. Bis die Statistiker das auch einigermaßen exakt erfasst haben, werden Jahre ins Land gehen.
Es ist nicht zu fassen: Auf die Veröffentlichung der Schnellschätzung des US-BIP im zweiten Quartal hin hat der Dax zunächst gut 100 Zähler liegen lassen. Vielleicht haben die gleichzeitig vermeldeten, verstörenden wöchentlichen Arbeitsmarktdaten dabei den Ausschlag gegeben. Im Sinne der Börsenkultur kann man es nur hoffen. Denn wenn es der Umstand war, dass das reale US-BIP nur mit einer Jahresrate von 1,9 Prozent zum Vorquartal gestiegen ist statt mit den "erwarteten" 2,3 Prozent, dann ist den Anlegern nicht mehr zu helfen. Was könnten sie sich gedacht haben? Dass die Klagen von 99 Prozent der Firmen dieser Erde über das schwache US-Geschäft damit aus der Welt wären, dass die BIP-Statistiker eine Drei vor dem Komma produzieren?
Tatsächlich ist schon die Schätzung eines Zuwachses von 1,9 Prozent verwegen, wenn man statt der Nachfrage- die vorliegenden Indikatoren für die Entstehungsseite des BIP (Industrieproduktion, Beschäftigung et cetera) betrachtet. Auf der Nachfrageseite wiederum darf man trotz der Steuerschecks durchaus daran zweifeln, dass die Amerikaner im zweiten Quartal 13,4 Prozent mehr Hausrat eingekauft haben oder 10,3 Prozent mehr Bekleidung (Güterimporte minus 6,3 Prozent). Auch scheint die Annahme, dass die Verbraucher 2,9 Prozent mehr Lebensmittel nachgefragt haben und 3,4 Prozent mehr medizinische Versorgung, doch eher gewagt. Und was den Ausblick auf das zweite Halbjahr angeht, nur so viel: Die Steuerschecks sind weitgehend verteilt, die für Firmen und Verbraucher relevanten Refinanzierungszinsen sind höher als vor den Zinssenkungen der Fed, und mit Blick auf die Entwicklungen im Rest der Welt werden die Netto-Exporte so schnell keine 2,4 Prozentpunkte mehr zum US-BIP-Wachstum beitragen.

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