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  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   08.09.2008, 21:19 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Der real existierende Schuldenberg  

Zur Abwehrung einer Schuldendeflation fährt die US-Regierung immer größere Geschütze auf. Dennoch bleibt es wahrscheinlich, dass sie auch noch ihre stärkste Waffe einsetzen muss.
Die Amerikaner sind einfach nicht glücklich, wenn Verbraucher und nichtfinanzielle Firmen nicht mindestens neue Schulden von 2000 Mrd. $ im Jahr aufnehmen (können). Das hatte die Fed schon im August 2007 deutlich gemacht, als sie ihr Diskontfenster geöffnet hatte: "Um die Wiederherstellung von geordneten Finanzmarktverhältnissen zu fördern, hat das Direktorium vorübergehende Veränderungen der Diskontpolitik gebilligt."
Gemeint war damit, dass die Fed die Finanzmarktverhältnisse nur dann für geordnet hält, wenn die Schulden anderthalbmal so schnell steigen wie das BIP. Wenn Hauskäufer ohne geregeltes Einkommen den Kaufpreis zu 100 Prozent finanziert bekommen und keine Tilgungen zu leisten haben. Wenn Beteiligungsfirmen überteuerte Übernahmen zu 90 Prozent mit billigem Kredit finanzieren. Wenn Finanzinvestoren ihr Eigenkapital um ein Vielfaches mit Fremdkapital hebeln, ohne Risikoaufschläge entrichten zu müssen. Wenn Aktien und Hauspreise ständig steigen. Wenn der Finanzsektor Vorsteuergewinne von 3,9 Prozent des Nationaleinkommens einstreicht.
Und genau darum geht es jetzt wieder, wenn das US-Finanzministerium die Hypothekenfinanziers Fannie Mae  und Freddie Mac  unter seine Fittiche nimmt und zudem Milliarden von Dollar direkt in den Hypothekenmarkt pumpt. Der Zins auf Hypotheken - und auf alle anderen marktbasierten Kredite für Verbraucher und Firmen - muss runter, auf dass die Amerikaner wieder ihrem Lieblingszeitvertreib frönen können: Schulden anzuhäufen und Güter zu kaufen, die sie nicht herstellen.
Eindeutige Signale
Die Signale sind eindeutig, die damit gesetzten Anreize fatal. Aber wir wollen nicht meckern, denn obwohl die Sozialisierung von Bankverlusten das Ende des Dollar-Status als Weltreservewährung einleiten mag: Es war immer klar, dass die Regierung einspringt, wenn ein hoch defizitärer Privatsektor keine Darlehen mehr bekommt.

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