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Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   22.10.2008, 10:45 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Die Autospekulanten  

Ob Daimlers Ex-Vorstände oder der US-Milliardär Kirk Kerkorian: Bei Autos scheint die männliche Ratio auszusetzen.
Dass eine Menge von Übernahmen und Fusionen nicht das halten, was die Vorstände ihren Anlegern zuvor davon versprechen, ist nicht neu. In der Ex-post-Betrachtung werden für missglückte Käufe meist falsches Marktverständnis, falsches Timing, ungenügende Kenntnis des Kaufobjekts oder schlicht Eitelkeit und Größenwahn des Vorstands als Gründe für einen überteuerten Kauf genannt. Dass aber ein Vorstand explizit vor Gericht Gerüchte zurückweisen muss, eine Übernahme eigens zur Selbstbereicherung angestrebt zu haben, ist schon erwähnenswert. 1998 äußerte sich übrigens der damalige Chrysler-Chef Eaton zum Thema transatlantische Lohnschere folgendermaßen: "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Jürgen in Zukunft genauso viel verdient wie ich."
Der erwähnte Jürgen Schrempp gab am Denstag vor Gericht ebenfalls zu Protokoll, die Fusion mit Chrysler sei lebensnotwendig gewesen - um die eigene Unabhängigkeit zu erhalten. Aha. Einen mittelmäßig geführten Laden mit alternden Produkten zum Höhepunkt des Zyklus zu Mondpreisen zu kaufen, sichert also die Eigenständigkeit. Stimmt, versteht man das Kaufobjekt als Giftpille. So sahen viele auch die Commerzbank nach dem Kauf der Eurohypo nicht mehr als Übernahmeobjekt.
Nun befindet sich Daimlers Ex-Vorstand in guter Gesellschaft, wenn es um Fehlinvestitionen im Autosektor geht. Eben jener Milliardär, mit dem sich Schrempp vor einigen Jahre vor Gericht streiten musste, da ihm die geschätzten 2,7 Mrd. $ Gewinn aus dem Verkauf seines Chrysler-Pakets an Daimler nicht reichten, erleidet nun selbst Schiffbruch. Nachdem er sich noch mit einem kleinen Plus aus seinem GM-Abenteuer vor zwei Jahren verabschieden konnte, entwickelt sich Ford jetzt zum Fiasko - rund 70 Prozent Verlust. Nun steigt Kerkorian langsam aus der Firma, die zuletzt ein negatives Eigenkapital auswies, aus, um sich mit seinem Anlagevehikel künftig auf Kasinos zu konzentrieren. Das ist fast so wie Börse, nur dass die Bank da offiziell immer gewinnt.
00:32:24 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
DuPont 48,4 USD   -0,53%  -0.26
3M 84,78 USD   -0,24%  -0.2
  • Aus der FTD vom 22.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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