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FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Merken   Drucken   03.08.2009, 11:00 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Die Banken müssen gar nichts

Von der Verantwortung und Pflicht der Banken, Geld zu verleihen, wird derzeit gerne schwadroniert. Die gibt es aber nicht. Ebensowenig sollte es dann aber auch die Rettungsgarantie für Banken geben.

Man kann den Banken bestimmt einiges vorwerfen, aber nicht, dass sie nicht scharf auf Geld seien und nicht wüssten, wie man es verdient, oder besser gesagt, es macht. Die wohl älteste und naheliegendste Methode, Geld zu machen, besteht darin, es sich billig zu leihen und es teurer zu verleihen. An der Differenz zwischen Zinskosten und Zinsertrag erfreut sich die Bank. Und je mehr sie verleihen kann, um so mehr freut sie sich. Vorausgesetzt natürlich, sie bekommt das ausgeliehene Geld auch zurück.

In Zeiten zunehmender Firmenpleiten und Schuldenrestrukturierungen ist das keine Selbstverständlichkeit. Auch wird es sich noch zeigen müssen, wie viele der Unter-2000-Euro-brutto-Haushalte, welche den Verschrottungswahn mitgemacht haben, in den nächsten Jahren denn auch die Raten für ihre Neu-Limousine begleichen werden können.

Derzeit geht ja das Gespenst der Kreditklemme um, auf deren Definition wir immer noch warten. Die Banken würden den Firmen (publikumswirksamer ist stets, von Mittelständlern zu sprechen) keine Kredite mehr gewähren. Anders ausgedrückt: Sie würden darauf verzichten, Geld zu verdienen. Es ist, als würde man dem Bäcker vorwerfen, sein Regal nicht ausreichend mit Brötchen zu füllen. Doch Banken sind ja anders.

Aus Politik und Medien hören wir, die Banken kämen wahlweise ihren Aufgaben, ihren Pflichten oder ihrer Verantwortung nicht nach. Hmm. Also abgesehen von den halb-öffentlichen Sparkassen, die einem Versorgungsauftrag nachkommen, sind uns einschlägige Gesetze unbekannt, die die Pflichten und Aufgaben privatwirtschaftlicher Banken festschreiben. Das wäre mit der Definition von Marktwirtschaft, selbst einer sozialen, kaum vereinbar.

Kurz gesagt: Wenn die Banken kein Geld verleihen wollen, haben sie ihre guten Gründe dafür. Andernfalls würden morgen neue Anbieter die Lücke nur zu gerne füllen. Wenn die Banken nun aber keine Pflichten haben, dürfen sie konsequenterweise auch nicht die Sonderbehandlung genießen, die man ihnen derzeit gewährt. Kurz gesagt: Dann muss die Politik dafür sorgen, dass keine Bank eine Größe oder ein Risikoprofil erreichen kann, welches ausreicht, das System zu gefährden, sollte das Institut sich verrechnet haben.

  • Aus der FTD vom 03.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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