Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Inflation unter Kontrolle, die Staatsschuld überschaubar, der Ressourcenreichtum legendär, der Lebensstandard hoch.
Und dennoch wachsen die Sorgen um Australien nicht erst seit der Studie von SocGen vom 25. April ("Australians be worried: someone is calling your country a miracle!"), in welcher der Autor auf die beträchtlichen Schulden der Verbraucher, die stolzen Hauspreise, die trotz hoher Terms of Trade negative Leistungsbilanz sowie auf die blasenartigen Investitionsentwicklungen im Rohstoffsektor hingewiesen hat.
Der IWF schätzt für dieses Jahr gesamtwirtschaftliche Investitionen in Höhe von 28,5 Prozent des australischen BIPs, gegenüber 16,3 Prozent in den USA und 18,5 Prozent in Deutschland.
Doch auch nach der unvermutet starken Leitzinssenkung um 50 Basispunkte auf 3,75 Prozent müssen die Australier bloß 0,97 ihrer Dollar für ein US-Pendant auf den Tisch legen. Die OECD taxiert die Kaufkraftparität auf 1,56 australische je US-Dollar. Auch auf realer handelsgewichteter Basis scheint der australische Dollar sehr teuer.
Das muss sich mit der Zeit auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie oder der Tourismusbranche Australiens niederschlagen. Womöglich ist der jüngste Einkäuferindex für das verarbeitende Gewerbe von 43,9 Zählern ein Indiz dafür. Sich mit Zinssenkungen gegen derlei Verwerfungen zu stemmen ist vielleicht ein kurzfristig probates Mittel.
Doch geht damit mittelfristig auch die Gefahr einer noch stärkeren Blasenbildung auf den Immobilienmärkten einher.
Bekanntlich müssen Blasen jedoch schon definitionsgemäß eines Tages platzen; die Folgen sind in Europa zu beobachten. Rund um die Erde schauen die Anleger aber aus einem anderen Grund auf Australien.
Denn die Währung des Landes gilt als Indikator für den Rohstoffhunger und die Konjunktur Chinas. Sobald die Rohstoffpreise deutlich fallen, wird es in Australien wohl recht ungemütlich, da die Importpreise dann im Verhältnis zu den Exportpreisen empfindlich zunehmen würden. Es wäre ein Debakel, das die ganze Welt zu spüren bekäme.