Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Einige Ökonomen prognostizieren Deutschland seit geraumer Zeit einen Boom. Und sie haben beste Gründe. In internationaler Abgrenzung ist die Arbeitslosenquote auf 5,4 Prozent gefallen, was für steigende Reallöhne, die Umwandlung von atypischen in reguläre Beschäftigungsverhältnisse und letztlich höhere Renten spricht.
Die Zinsen für Staat, Verbraucher und Firmen sind real nahezu vernachlässigbar, und im Verhältnis zum BIP sind die Schulden aller nichtfinanziellen Sektoren vergleichsweise gering. Die Firmen profitieren von einem günstigen Wechselkurs, sind äußerst rentabel, erzielen Mittelüberschüsse und sollten nach Jahren der Zurückhaltung einen hohen Bedarf an Investitionsgütern aufweisen. Der Staatshaushalt ist fast ausgeglichen, weswegen sich Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern nicht zu schmerzhaften Konsolidierungsmaßnahmen gezwungen sieht. Gerade wegen der relativen Stabilität des Landes nimmt auch die Zuwanderung zu und gewinnt der Standort Deutschland für ausländische Investoren an Attraktivität. Die neuen Mitbürger halten die Vergreisung der Gesellschaft etwas auf und brauchen Essen, Getränke, Kleidung, Wohnraum, Schulplätze sowie vieles mehr. Die Verbraucherpreisentwicklung verläuft in geordneten Bahnen, und die Hauspreise nehmen spürbar zu, sodass eigentlich mit positiven Vermögenseffekten zu rechnen wäre.
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Dummerweise wirken die realen Umsätze in Einzelhandel und Gastgewerbe jedoch weiterhin wie angenagelt. Gleiches gilt für die Bauaufträge. Unterdessen sind die Inlandsbestellungen in der Industrie ebenso im freien Fall wie beispielsweise die Lkw-Neuzulassungen. Die Autoabsätze kommen einem Debakel gleich. Die Ifo-Erwartungen deuten eher auf eine Rezession als auf einen Boom hin.
Das sollte jenen zu denken geben, die beteuern, dass die Krise der Weltwirtschaft mit forcierter Nachfragepolitik zu überwinden sei. Deutschland lässt erahnen, dass den tieferen Ursachen der Krise - Stichwort Einkommensverteilung - mit den Mitteln der Konjunkturpolitik kaum beizukommen ist.