Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Manche halten die Bezeichnung für antiquiert, aber Renten und Renten haben eben einiges gemein. Etwa in ihrer zeitlichen Penetranz. Mit Betriebsrenten schlagen sich Firmen noch Jahrzehnte nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses rum, was in Industrien wie der Luftfahrt neuen Rivalen einen Startvorteil beschert. Andererseits können Anleihezinsen über Jahre beglücken. So zehrte die Bauindustrie die gesamten 1990er von den Wiedervereinigungs-Bundes-neun-Prozentern, zu denen sie ihre anzahlungsbedingt üppigen Kassen anlegte.
Und nun ist das niedrige Zinsniveau ausschlaggebend dafür, dass mit der Umsetzung des revidierten IAS 19 Anfang 2013 gewaltige Unterdeckungen der Pensionskassen der Firmen sichtbar werden, muss das Pensionsvermögen doch mit den aktuellen, also sehr niedrigen Zinsen verzinst werden, was die bilanzielle Unterdeckung erhöht. Gleichzeitig wiederum nutzt die Deutsche Post jetzt das Zinsumfeld, um sich billiger zu refinanzieren und so die Pensionskasse besser füllen zu können - die Unterdeckung also zu verringern.
Die Aussage der Post, dies wirke gewinn- und cashflowerhöhend, verliert nicht dadurch an Gültigkeit, dass die Aktie leicht nachgab. Das dürfte auf die Arbitrage-Geschäfte der Wandler-Zeichner zurückzuführen sein. Die Berücksichtigung aktueller Zinsen bei der Berechnung der Pensionslast mag Sinn ergeben. Doch erhöht es erneut die Volatilität der Bilanz. Und wer wünschte sich in diesem Niedrigzinsumfeld nicht die gute alte HGB-Welt zurück: Pensionslasten werden passiviert, aber dem steht das Betriebsvermögen gegenüber, das sich - hoffentlich - vernünftig verzinst.