Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Alcoa schreibt Verluste. Angesichts der internationalen Industriekonjunktur ist das wenig überraschend. Ohne Sonderfaktoren gerechnet, hätte die Firma im dritten Quartal dennoch einen kleinen Gewinn erzielt, was die Analysten sogar positiv überrascht hat. Überraschenderweise war das den verkaufenden Anlegern jedoch egal. Denn sie wissen langsam, dass die Analysten von Alcoa letztlich immer überrascht werden. Und dummerweise sind die Überraschungen meistens wenig angenehm.
Die Konsensschätzung für den bereinigten 2012er-Gewinn je Aktie von Alcoa beginnt im März 2008 mit einer Prognose von gut 3,4 Dollar je Aktie. Jetzt sind es noch gut 0,2 Dollar. Und zufälligerweise ist das der niedrigste bisher verzeichnete Schätzwert. Dass die Analysten zu einer systematischen Überzuversicht neigen, ist zwar nichts Neues. Aber es kam jenen Anlegern teuer zu stehen, die im Frühjahr 2008 mit Blick auf die Prognosen bis zu 45 Dollar je Aktie hingeblättert hatten. Der Titel notiert jetzt bei knapp 9 Dollar. Doch die Überzuversicht der Analysten ist nicht auf Alcoa begrenzt. Die 2012er-Gewinnschätzungen für den MSCI Europa sind nun nicht mehr sehr viel höher als die Prognosen von Ende 2002 für den Gewinn im Jahre 2004. So viel nur zum Wert von geschätzten KGV.