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Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   06.05.2012, 21:00 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Die US-Lohnentwicklung sagt im Grunde alles  

Premium Die Anleger waren ob der jüngsten US-Stellendaten entsetzt. Dabei deuten Unterbeschäftigung und Löhne darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt eh nie richtig erholt hat. Wie sollte er auch angesichts der Margenversessenheit der Firmen?

Lässt die Erholung auf dem US-Arbeitsmarkt nach? Diese Aussage wäre schon insofern keck, als dass sie ja implizierte, dass sich der Arbeitsmarkt tatsächlich berappelt hätte. Das werden wir vielleicht in ein paar Jahren wissen, nach etlichen Revisionen der aktuellen Beschäftigungsdaten.

An der Erwerbstätigenquote, dem Anteil der Beschäftigten an der arbeitsfähigen Bevölkerung, gemessen hat eine echte Erholung eh nie stattgefunden, höchstens eine Stabilisierung. Und mit Blick auf dieses Maß für die Unterbeschäftigung ist auch die ernüchternde Entwicklung der mittleren Stundenlöhne zu verstehen.

Arbeitsmarktschwäche auf einen Blick   Arbeitsmarktschwäche auf einen Blick

Über die vergangenen zwölf Monate haben diese nur um 1,8 Prozent zum Vorjahr zugenommen, über die vergangenen sechs Monate gar bloß mit einer Jahresrate von 1,5 Prozent. Dabei steigen die US-Verbraucherpreise seit 14 Monaten um mehr als zwei Prozent zum Vorjahr, zuletzt um 2,7 Prozent. Laut der Verbraucherumfrage der University of Michigan rechnen die Konsumenten über die kommenden zwölf Monate mit einer Preissteigerungsrate von 3,2 Prozent, über die nächsten fünf Jahre sind es 2,9 Prozent.

Multipliziert man die Zahl der geleisteten Wochenarbeitsstunden mit dem mittleren Stundenlohn und teilt dieses Produkt durch den Verbraucherpreisindex, steigt das reale private US-Lohneinkommen trotz der angeblich beträchtlichen Beschäftigungsgewinne gerade mal um 1,5 Prozent zum Vorjahr (April-VPI laut Konsensprognose).

Das Erschreckende an diesem Befund ist, dass er vor dem Hintergrund der seit Jahren ungeheuerlichen konjunkturellen Anstrengungen von Staat und Fed zu sehen ist. Es gibt Hoffnungen - die Stabilisierung des Hausmarkts, die aufgestaute Nachfrage nach Autos oder die niedrigen Gaspreise etwa. Manche setzen sogar auf eine neue Kreditsause.

Doch über die relevanten Mittel für einen stärkeren Konjunkturaufschwung verfügen nur die Firmen. Aber vor lauter Margenversessenheit denken die ja gar nicht ans Investieren. Nur werden die Firmen am Ende wenig davon haben, wenn sie weiter das Angebot knapphalten und die Lohnkosten minimieren.

  • Aus der FTD vom 07.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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